DIE KIRCHENGEMEINDE ST. Marien Hemsen gestern und heute

Die Pfarrgemeinde St. Marien Hemsen umfasst die Ortsteile Hemsen, Borken, Hüntel und Holthausen. Die längste Ausdehnung der Pfarrgemeinde beträgt rund 5 km. Sie ist auf der östlichen Emsseite im nördlichen Teil des Stadtgebietes Meppen gelegen (Nordgemeinden). Die Zahl der Gemeindemitglieder beträgt 1.849, davon sind 1.301 Katholiken. Mittelpunkt der Gemeinde ist die Pfarrkirche St. Marien mit Pfarrhaus und Gemeindehaus (inkl. der kath. öffentlichen Bücherei). Mit dem Grundstück der Pfarrkirche verbunden ist der Friedhof mit Leichenhalle (in kirchlicher Trägerschaft).

Seit 01.09.2009 gehört die St. Marien Gemeinde zu der Pfarreiengemeinschaft Meppen-Ost.

Die Kirche St. Marien Hemsen

Unser Gotteshaus ist der von Gott auserwählten (unbefleckt empfangenen) Jungfrau Maria geweiht, die Jesus Christus geboren hat, Gottes Sohn und Menschensohn. Sie ist Schutzpatronin unserer Pfarrkirche (Patronatsfest am 8. Dezember).

Unser Lebens- und Glaubensweg vollzieht sich in Raum und Zeit. Deshalb zunächst eine zeitliche Einordnung unserer Marienkirche:

1921/22 wurde sie für die damalige Kapellengemeinde der Ortsteile Hemsen, Borken, Hüntel und Holthausen erbaut und am 19.04.1923 von Bischof Dr. Wilhelm Berning geweiht. Durch Schäden am Gotteshaus und kirchliche Weiterentwicklung (2. Vatikanisches Konzil) kam es zu etlichen Renovierungen (1954, 1977, 1993 und 2006).

1976 ist die Kapellengemeinde Hemsen zur Pfarrkirche geworden. Erster Pfarrer wurde Pastor Wilhelm Behrens.

Dieses Gotteshaus - Versammlungsort der Pfarrgemeinde - ist eine so genannte Wegkirche. Der Besucher tritt aus dem "profanen" (= "vor dem Heiligtum gelegenen") Raum unserer Welt in den "sakralen" (= "heiligen") Raum der Kirche und geht einen Weg auf der Mittelachse des Gebäudes von der Schwelle bis zum Altar, der in der Regel nach Osten ausgerichtet ist.

Rundgang durch unsere Kirche

Sie haben durch die schwere Eichentür den kleinen Windfang der Kirche betreten und links und rechts neben der Tür das Weihwasserbecken wahrgenommen. Durch eine Glastür sind Sie in den Vorraum der Kirche gelangt. Wenn Sie vom Vorraum aus zurückschauen, sehen Sie links neben der Eingangstür ein schweres Eichenkreuz, das seit 1986 an jedem Passionssonntag von Männern durch die vier Ortsteile getragen wird (2,5 Stunden). Links davon fallen drei kleine bunte Fenster auf, der Heiligen Familie gewidmet (Maria und Josef, in der Mitte das Jesuskind).

Auf der anderen Seite des Windfangs fällt ein Marienbild ins Auge (Nachbildung einer Ikone). Wir zünden Kerzen vor dem Bild an, als Zeichen der Verehrung und tragen Maria unsere Bitten vor. Wir glauben, dass die Gottesmutter Fürsprecherin ist bei ihrem Sohn Jesus Christus.

Neben der Marienikone befinden sich Gedenktafeln, die an unseren Weg von der Geburt bis zum Tod erinnern. Vor allem mit Fotos der im 2. Weltkrieg gefallenen und vermissten Familienangehörigen. Wir wollen die Erinnerung an sie in der Glaubensgemeinschaft lebendig erhalten.

Wir haben den Vorraum mit seinen Bildern menschlicher Not und gläubiger Hoffnung hinter uns gelassen und gehen vorwärts bis zur Mitte der Kirche. Wir schauen zurück. Unser Blick fällt auf die Orgelempore und die Rückwand des Kirchenschiffs.
Vor dem großen Rosettenfenster erkennen wir die Umrisse der Orgel (erbaut 1957 von M. Kreienbrink, Osnabrück-Hellern). Unterhalb der Orgelempore befinden sich an der Rückwand zwei sehenswerte Schnitzereien, mit Szenen aus dem Leben Jesu (Bergpredigt und Gleichnis vom Sämann). Beide Kunstwerke aus massiver Eiche stammen von dem bekannten emsländischen Bildhauer Bernd Heller (1928).

Die acht hohen Fenster im Kirchenschiff (1943) sind mit farben-froher Symbolik befrachtet. Sie stellen die Sakramente der Kirche dar, den göttlichen Beistand unter bestimmten menschlichen Zeichen in entscheidenden Situationen des Lebens- und Glaubensweges.

In Abstimmung mit den leuchtenden Farben der Glasfenster, sind bei der letzten großen Innenrenovierung (2006) die Farben des Kirchenraums neu zusammengestellt worden. Die warmen Töne zwischen Gelb und Rotbraun kennzeichnen den irdischen Bereich des Kirchenschiffs. Orgelraum und Altarraum deuten farblich den göttlichen Bereich an: leichtes Weiß (mit leichter Schattierung bei Lampenlicht). Überraschend allerdings die erdbraune Farbe der Stirnwand des Altarraums: Durch die Menschwerdung Gottes wurde unsere Erde sichtbar hinein genommen, in den göttlichen Bereich.

Sie gehen auf den Altarraum zu und zur ersten Kirchenbank. Vor Ihnen befinden sich einige Stufen, die vom Versammlungsraum des Volkes Gottes zum Altar hinaufführen, auf dem die verborgene Gegenwart Gottes sich ereignet.

Wenn Sie noch einmal ganz rechts zum Kirchenfenster schauen, entdecken Sie unterhalb die 1. Kreuzwegstation, den Beginn einer sich nach rechts fortsetzenden Darstellung des Leidensweges Jesu (in 14 geschnitzten Bildern, erstellt 1980) bis zum Tod am Kreuz und bis zur Grablegung. Über diesen befinden sich 12 Weihekreuze und Apostelleuchter, die bei feierlichen Anlässen angezündet werden. Sie erinnern daran, dass die Kirche auf dem Fundament der Apostel gebaut ist.

Links und rechts vor dem Altarraum stehen zwei holzgeschnitzte Heiligenfiguren (Maria und Josef) im Nazarener Stil (Anfang 20. Jahrhundert). Auffällig ist die "Rollenverteilung" bei den Heiligenfiguren: Entgegen der traditionellen Darstellung hält Josef in der rechten Hand das Winkelmaß (Kennzeichen des Zimmermanns) und auf dem linken Arm das Jesuskind (mit einem Ball in der Hand!?). Während Maria die Hände gefaltet zum Himmel ausrichtet und so ihre jungfräuliche Hingabe bekundet.

Der Weg vom Eingang unserer Kirche führt direkt zum Altar, wo Gott und Mensch sich im Sakrament des Lebens begegnen, wo der Gläubige in der Eucharistiefeier durch Gottes Wort, durch das Sakrament des Altares und die geschwisterliche Gemeinschaft immer mehr in das göttliche Leben hinein verwandelt werden soll.

Schon der Fußboden im Altarraum ist Ehrfurcht gebietend: Er besteht aus Marmorplatten mit Spuren von Fossilien (Alter: ca. 140 Millionen Jahre). In der Rückwand ist ein Tabernakel aus Bronze eingelassen. Dort wird das Heilige Brot aufbewahrt. Rechts daneben befindet sich auf einem Bronzeständer das Ewige Licht, das die Gegenwart Jesu Christi in der Brotgestalt im Tabernakel anzeigt.
Die Tür links im Altarraum führt zur Beichtkapelle, mit einem Beichtstuhl von Bernd Heller.

Auf dem Altar finden wir fünf eingeritzte Weihekreuze, die bei der Altarweihe mit Öl gesalbt wurden. Sie weisen auf die Wundmale des Gekreuzigten und seine Gegenwart in der Eucharistie hin.

Unter dem Altartisch sehen wir in Kreuzesform vier Öffnungen, verdeckt durch Lebensbäume aus Bronze. Dahinter lässt sich das in jedem geweihten Altar verborgene Reliquiengrab ahnen. Bei uns eine fest verankerte Kapsel mit sterblichen Überresten des früh-christlichen Missionars Kolumban (6. Jh.), der hl. Ursula (4. Jh.) und der hl. Klara von Assisi (13. Jh.).

Der Taufstein links vor der Marienstatue hat die Form einer Brunnenschale mit vier Wasserrinnen in Kreuzform. Der Ambo (rechts auf der mittleren Altarstufe) wird auch Altar des Wortes genannt. Eine Rundung unter dem Lesepult erinnert mit Feuerzungen an die Begeisterung des ersten Pfingstfestes.

Ein Blick auf die Fenster im Altarraum lässt links noch einmal die heilige Maria erkennen. Diesmal mit dem Jesuskind auf dem Arm und mit einer Krone geschmückt, dem Zeichen der bei Gott Vollendeten.
Rechts der Erzengel Michael, der dem Höllendrachen das Schwert todbringend in den Rachen stößt.

Über dem Altar hängt das schwere Bronzekreuz mit zwölf polierten Steinen aus dem Emsland, die auf das Volk Gottes hinweisen und auf die Lehre der zwölf Apostel.

Ende des Rundgangs

Sie haben sich Zeit genommen, unsere Marienkirche kennen zulernen. Generationen von Gläubigen sind hier getauft worden, zur Erstkommunion gegangen, haben das Sakrament der Versöhnung, der Firmung und der Ehe empfangen. Für viele Gemeindemitglieder ist hier die Totenmesse gefeiert worden, nachdem sie auf dem Friedhof hinter der Kirche zu Grabe getragen worden waren.

Wir legen Wert darauf, "die Kirche im Dorf zu lassen", weil sie unser religiöses Zuhause ist.

"Seht Gottes Zelt auf Erden, verborgen ist er da; in menschlichen Gebärden ist er den Menschen nah. Gott, wir loben dich; Gott, wir preisen dich. O lass' `im Hause dein uns all` geborgen sein."

Die Tür unseres Gotteshauses steht für jedermann offen.