Impuls zum 1. Adventssonntag - 29.11.2020


Aus dem heiligen Evangelium nach Markus                                                                                                             Mk 13, 24-37

Jesus sprach zu seinen Jüngern:

24 In jenen Tagen, nach der großen Not, wird sich die Sonne verfinstern, und der Mond wird nicht mehr scheinen;
25 die Sterne werden vom Himmel fallen, und die Kräfte des Himmels werden erschüttert werden.
26 Dann wird man den Menschensohn mit großer Macht und Herrlichkeit auf den Wolken kommen sehen.
27 Und er wird die Engel aussenden und die von ihm Auserwählten aus allen vier Windrichtungen zusammenführen, vom Ende der Erde bis zum Ende des Himmels.
28 Lernt etwas aus dem Vergleich mit dem Feigenbaum! Sobald seine Zweige saftig werden und Blätter treiben, wisst ihr, dass der Sommer nahe ist.
29 Genauso sollt ihr erkennen, wenn ihr all das geschehen seht, dass das Ende vor der Tür steht.
30 Amen, ich sage euch: Diese Generation wird nicht vergehen, bis das alles eintrifft.
31 Himmel und Erde werden vergehen, aber meine Worte werden nicht vergehen.
32 Doch jenen Tag und jene Stunde kennt niemand, auch nicht die Engel im Himmel, nicht einmal der Sohn, sondern nur der Vater.
33 Seht euch also vor, und bleibt wach! Denn ihr wisst nicht, wann die Zeit da ist.
34 Es ist wie mit einem Mann, der sein Haus verließ, um auf Reisen zu gehen: Er übertrug alle Verantwortung seinen Dienern, jedem eine bestimmte Aufgabe; dem Türhüter befahl er, wachsam zu sein.
35 Seid also wachsam! Denn ihr wisst nicht, wann der Hausherr kommt, ob am Abend oder um Mitternacht, ob beim Hahnenschrei oder erst am Morgen.
36 Er soll euch, wenn er plötzlich kommt, nicht schlafend antreffen.
37 Was ich aber euch sage, das sage ich allen: Seid wachsam!

Evangelium unseres Herrn Jesus Christus

Gedanken

Liebe Schwestern und Brüder,

kennen Sie noch den Film „und täglich grüßt das Murmeltier“?

Es handelt sich um eine amerikanische Filmkomödie bei der der Hauptcharakter den gleichen Tag mit seinen Verwirrungen und Verwicklungen immer und immer wieder erlebt. So lange bis er alle Möglichkeiten ausgetestet hat und gemerkt hat, dass alles nicht gut war.

Er wurde durch das tägliche Wiedererleben der gleichen Dinge zunächst verwirrt, dann verärgert und dann ist ihm aufgegangen, dass er da wohl nur rauskommt, wenn er anders handelt, als er es gewohnt war.

Und tatsächlich scheinen wir auch in so einer Schleife zu hängen. Wir erleben gerade wieder, dass die Regelungen für das gesellschaftliche und auch private Leben strenger werden. Das hatten wir doch schon mal, im März bis Mai dieses Jahres.

Wir erleben im Kirchenjahr jetzt den Neuanfang eines Zyklus der scheinbar immer gleich ist. Wir beginnen den Advent, um uns auf Weihnachten vorzubereiten. Nach Weihnachten begleiten wir den Jesus, der schnell erwachsen wird und in der Öffentlichkeit wirkt. Dann geht es so weit, dass wir mit der Fastenzeit erleben, wie es für Jesus schwieriger wird. Wir gehen mit Jesus weiter bis in den Tod und die Auferstehung. Das restliche Kirchenjahr versuchen wir, wie wir es täglich tun, von Jesus zu lernen, damit der Heilige Geist in uns wirken kann. Seine Lehren führen uns so weit, dass wir immer auch das Ende aller Zeiten erwarten dürfen und sollen und uns darauf vorbereiten.

Also alles wie im Film und ich habe das Gefühl, wie im Film, leben wir auch.

Haben wir schon etwas gelernt aus den vergangenen Jahren mit Jesus?

Sind wir weitergekommen in unserer Entwicklung von einem Menschen, dessen Welt klein ist und um sich herum aufhört hin zu einem Christen, dem Gott und der Nächste wichtig ist?

Wenn ich auf die jetzige Situation schaue, dann habe ich bei uns das Gefühl, dass wir es uns selbst schwer machen.

Die Corona Krise sollte uns doch aufmerken lassen, dass es so, wie wir als Gesellschaft handeln, nicht weitergehen darf und kann.

Wir leben auf Kosten eines kleinen Planeten, der Erde heißt.

Wir leben auf Kosten vieler Menschen, die dafür sorgen, dass wir neben Kaffee und Tee auch alle anderen Annehmlichkeiten der Welt immer und überall zur Verfügung haben.

Wir leben auf Kosten der Generationen die nach uns diese Welt bevölkern können und sollen, weil wir uns zwar um die Umwelt sorgen, aber aus Bequemlichkeit einiges lassen, was wir tun könnten.

Das tun wir als Gesellschaft und jeder kann sich da gelassen zurücklehnen und behaupten, daran bin ich nicht schuld.

Liebe Schwestern und Brüder,

genauso sehe ich auch unser Glaubensleben.

Wir glauben daran, dass da ein Gott ist, der mit uns geht und der uns helfen will. Wir sind bereit alles zu tun, damit wir dem Nächsten helfen können, wir wissen nur nicht wie und suchen auch nicht lange nach einer Antwort. Wir scheitern, weil wir gar nicht erst beginnen etwas zu verändern.

Heute im Evangelium heißt es, dass wir aus dem Vergleich mit der Natur lernen sollen.

Vielleicht müssen wir vor allem lernen, aus unseren Irrtümern und auch aus unserem Unglauben und Unsicherheiten heraus den Mut zu haben, mehr zu tun. Anderes zu tun und Mehr zu wagen um aus den einfachen Wiederholungen herauszukommen in ein neues und anderes Leben.

Wenn wir das schaffen, kommen wir heraus aus der Schleife der Wiederholungen und gestalten manches neu.

Dann können wir wachsen und die Welt mit Gottes Hilfe so gestalten, dass sie den Anfang seines Reiches schon jetzt zeigt.

Gebet

Herr, unser Gott,
alles steht in deiner Macht; du schenkst das Wollen und das Vollbringen.
Hilf uns, dass wir auf dem Weg der Gerechtigkeit Christus entgegengehen
Und unser Handeln täglich neu überdenken um durch Taten der Liebe
Uns selbst und die Welt nach deinem Willen zu gestalten.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
Amen.

Ralf Wellbrock