Impuls zum 11. Sonntag im Jahreskreis - 14.06.2020

Lesung aus dem Buch Éxodus.                                      Ex 19, 2-6a

In jenen Tagen
2 kamen die Israeliten in die Wüste Sínai. Sie schlugen in der Wüste das Lager auf. Dort lagerte Israel gegenüber dem Berg.
3 Mose stieg zu Gott hinauf. Da rief ihm der Herr vom Berg her zu: Das sollst du dem Haus Jakob sagen und den Israeliten verkünden:
4 Ihr habt gesehen, was ich den Ägyptern angetan habe, wie ich euch auf Adlerflügeln getragen und zu mir gebracht habe.
5 Jetzt aber, wenn ihr auf meine Stimme hört und meinen Bund haltet, werdet ihr unter allen Völkern mein besonderes Eigentum sein. Mir gehört die ganze Erde,
6a ihr aber sollt mir als ein Königreich von Priestern und als ein heiliges Volk gehören.

Wort des lebendigen Gottes

Aus dem heiligen Evangelium nach Matthäus.                                    Mt 9,36-10,8

In jener Zeit,
9, 36 als Jesus die vielen Menschen sah, hatte er Mitleid mit ihnen; denn sie waren müde und erschöpft wie Schafe, die keinen Hirten haben.
37 Da sagte er zu seinen Jüngern: Die Ernte ist groß, aber es gibt nur wenig Arbeiter.
38 Bittet also den Herrn der Ernte, Arbeiter für seine Ernte auszusenden!
10, 1 Dann rief er seine zwölf Jünger zu sich und gab ihnen die Vollmacht, die unreinen Geister auszutreiben und alle Krankheiten und Leiden zu heilen.
2 Die Namen der zwölf Apostel sind: an erster Stelle Simon, genannt Petrus, und sein Bruder Andreas, dann Jakobus, der Sohn des Zebedäus, und sein Bruder Johannes,
3 Philíppus und Bartholomäus, Thomas und Matthäus, der Zöllner, Jakobus, der Sohn des Alphäus, und Thaddäus,
4 Simon Kananäus und Judas Iskáriot, der ihn ausgeliefert hat. 5Diese Zwölf sandte Jesus aus und gebot ihnen: Geht nicht den Weg zu den Heiden und betretet keine Stadt der Samaríter,
6 sondern geht zu den verlorenen Schafen des Hauses Israel!
7 Geht und verkündet: Das Himmelreich ist nahe!
8 Heilt Kranke, weckt Tote auf, macht Aussätzige rein, treibt Dämonen aus! Umsonst habt ihr empfangen, umsonst sollt ihr geben.

Evangelium unseres Herrn Jesus Christus

Gedanken

Liebe Schwestern und Brüder,

wir haben in der Presse viele Gesichter, die uns täglich entgegen leuchten. Da gibt es die Trumps, Urbans, Kim Jong Uns oder Bolsonaros, die sich als starke Führungspersönlichkeiten zeigen und dabei schnell in die Gefahr geraten, nicht mehr zu führen, sondern zu herrschen.

Nord-Korea läuft unter dem Begriff Volksrepublik und ist doch ein Land unter der Hand eines mächtigen Führers und seiner Riege.

Doch auch Demokratien wie die Vereinigten Staaten, Ungarn oder Brasilien stehen in der Gefahr nicht mehr regiert, sondern geregelt oder autokratisch geleitet zu werden.

Wie kann das sein, dass gewählte Volksvertreter sich als mächtig ansehen und meinen, mit ihrem Willen und ihrem Wissen alles regeln zu können und bestimmen zu wollen?

Die Lesung aus dem Buch Exodus erzählt uns von Mose. Der hat es schwer. Erst will sein Volk ihn nicht anerkennen, dann will der Pharao sein Volk nicht gehen lassen.

Dann zeigt er dem Pharao wie Gott für das Volk Israel einsteht und handeln will und endlich kann es losgehen.

Doch immer wieder will das Volk nicht – der Weg ist zu weit, das Fleisch fehlt, die Angst vor dem Feinde ist da.

Trotzdem schafft Mose es immer wieder, sich bei Gott Stärke zu holen und dem Volk zu vermitteln, dass Gott es nicht verlässt.

Mose führt das Volk und wenn man darauf schaut, dass er am Berg Sinai viele Männer töten lässt, weil sie das goldene Kalb gegossen und verehrt haben, könnte man sagen, der führt nicht wirklich gnädig

Mose ist sich aber bewusst, dass er selbst nur Führer des Volkes sein kann, weil Gott mit ihm ist und weil Gott ihn befähigt und hinter ihm steht.

Nach 40 Jahren steht das Volk an der Grenze des verheißenen Landes und Mose zieht nicht mehr mit hinein. Er weiß, dass er Gott beleidigt hat und er akzeptiert, dass es ohne Gottes Willen für ihn nicht weitergehen kann.

Das heißt für mich zunächst einmal: Wer Menschen anleitet, muss sich seiner eigenen Fähigkeiten bewusst sein. Er muss aber auch wissen, welche Grenzen er selbst hat.

Wer Menschen führen will, muss ruhig und besonnen bleiben können, selbst wenn um ihn herum alles schwirrt und kribbelig ist.

Gute Entscheidungen fällen kann nur der, der sich frei macht vom Druck und darauf vertraut, dass seine Berater und sein Herz ihm bei Entscheidungen helfen.

Letztendlich kann für mich nur der ein guter Anführer sein der weiß, dass es um mehr geht als um den Ruf oder die eigene Geldbörse.

Jesus stellt im Evangelium fest:

Es fehlen Arbeiter, die bereit sind sich im Weinberg des Herrn einzusetzen.

Dann beruft er seine Jünger und setzt sie ein. Sie sind alle nicht perfekt. Aber sie sind bereit sich für Gott einzusetzen.

Da ist Petrus, er hat Jesus verraten und hat Angst bekommen vor der Zusage Gottes.

Da ist Thomas, der Zweifler. Da sind die Donnersöhne Jakobus und Johannes, die um den besten Sitzplatz bei Jesus streiten.

Und auch die anderen waren nicht perfekt. Jesus beruft nicht die Perfekten. Er beruft die, die willig sind und sich ganz auf diesen Weg einlassen können, den Gott mit ihnen gehen will.

Liebe Schwestern und Brüder,

wie oft sagen Menschen: Das kann ich nicht, das ist nichts für mich.

Wir stecken unsere eigenen Grenzen eng und trauen nicht der Meinung der anderen, die in uns mehr sehen und uns zu mehr ermutigen wollen.

Und es stimmt nicht jeder kann Menschen führen und begleiten.

Ich habe das Gefühl, dass ein Anführer nur der sein kann, der bereit ist, in seiner Position weiter zu lernen und zu hören.

Es ist wichtig darauf zu hören, was die Bedürfnisse des Anderen sind. Es ist wichtig zu schauen, was die Menschen nicht nur heute brauchen, sondern was für ihre Zukunft wichtig ist.

Es ist wichtig zu hören, was die anderen sagen und sich daraufhin eine eigene Meinung zu bilden.

Sicherlich denken jetzt viele von ihnen: Ich will ja gar nicht Ministerpräsident oder Kanzlerin werden.

Aber die Aufgabe zu hören, die haben wir alle immer. Irgendwie leitet jeder von uns mal irgendetwas. Vielleicht ist es nur eine Radtour oder es geht um die eigenen Kinder, die man ins Leben begleitet.

Aber immer haben wir die Aufgabe zu hören und zu handeln.

Hören darauf was Gott von uns will und wo er uns haben und anleiten will.

Er hat für uns nicht nur eine Vision, er hält Dich und mich für würdig seine Kinder zu sein. Er weiß, wo er uns braucht.

Hören wir ihm und folgen wir ihm. Er führt uns richtig, gerecht und mit Liebe.

Amen.

Gebet

Gott, du unsere Hoffnung und unsere Kraft, ohne dich vermögen wir nichts. Steh uns mit deiner Gnade bei, damit wir denken, reden und tun was dir gefällt. Darum bitten wir durch Jesus Christus, unseren Herrn und Gott, der in der Einheit des Heiligen Geistes mit dir lebt und herrscht in alle Ewigkeit.

Amen.