Impuls zum 12. Sonntag im Jahreskreis - 21.06.2020

Lesung aus dem Buch Jeremía                        Jer 20,10-13

Jeremía sprach:
10 Ich hörte die Verleumdung der Vielen: Grauen ringsum! Zeigt ihn an! Wir wollen ihn anzeigen. Meine nächsten Bekannten warten alle darauf, dass ich stürze: Vielleicht lässt er sich betören,
dass wir ihn überwältigen und an ihm Rache nehmen können.
11 Doch der Herr steht mir bei wie ein gewaltiger Held. Darum straucheln meine Verfolger und können nicht überwältigen. Sie werden schmählich zuschanden, da sie nichts erreichen, in ewiger, unvergesslicher Schmach. 12 Aber der Herr der Heerscharen prüft den Gerechten, er sieht Nieren und Herz. Ich werde deine Vergeltung an ihnen sehen; denn dir habe ich meinen Rechtsstreit anvertraut.
13 Singt dem Herrn, rühmt den Herrn; denn er rettet das Leben des Armen aus der Hand der Übeltäter.

Aus dem heiligen Evangelium nach Matthäus.                                                      Mt 10,26-33

In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Aposteln:
26 Fürchtet euch nicht vor den Menschen! Denn nichts ist verhüllt, was nicht enthüllt wird, und nichts ist verborgen, was nicht bekannt wird.
27 Was ich euch im Dunkeln sage, davon redet im Licht, und was man euch ins Ohr flüstert, das verkündet auf den Dächern!
28 Fürchtet euch nicht vor denen, die den Leib töten, die Seele aber nicht töten können, sondern fürchtet euch eher vor dem, der Seele und Leib in der Hölle verderben kann!
29 Verkauft man nicht zwei Spatzen für einen Pfennig? Und doch fällt keiner von ihnen zur Erde ohne den Willen eures Vaters.
30 Bei euch aber sind sogar die Haare auf dem Kopf alle gezählt.
31 Fürchtet euch also nicht! Ihr seid mehr wert als viele Spatzen.
32 Jeder, der sich vor den Menschen zu mir bekennt, zu dem werde auch ich mich vor meinem Vater im Himmel bekennen.
33 Wer mich aber vor den Menschen verleugnet, den werde auch ich vor meinem Vater im Himmel verleugnen.

Fürchtet euch nicht vor den Menschen. – Das sagt sich so leicht…
Es gibt sie.
Es gibt Menschen die eine furchteinflößende Ausstrahlung haben.
Vielleicht haben Sie auch so einen Lehrer gehabt wie ich, vor dem die ganze Klasse zitterte – na eigentlich die ganze Schule.
Da nutzt es nichts, wenn mir jemand sagt, fürchte dich doch nicht – der kann dir doch nichts.

Doch der konnte mir sehr wohl was, er konnte sehr beleidigend sein und er konnte fürchterlich schimpfen und noch schlechtere Noten verteilen, weil wir vor Angst nicht lernen konnten und nicht in den Unterricht wollten.
Jesus sagt. Fürchtet euch nicht vor den Menschen.
Und er führt aus, dass alles aufgedeckt wird, wie zum Beispiel wer im Recht ist und wer die Wahrheit sagt.
Das stimmt ja auch, aber es fließt manchmal sehr viel Wasser die Radde und die Ems runter, bis die Wahrheit ans Licht kommt.

Liebe Schwestern und Brüder,

die gegenwärtige Situation macht uns doch auch unsicher.
Sind die Öffnungen nicht schon viel zu schnell?
Oder müssen wir noch schneller sein, damit der Virus uns ergreift bevor der Winter kommt und dann sind wir damit durch?
Oder gibt es überhaupt diesen Virus?
Die Verschwörungstheoretiker halten alles ja für viel zu übertrieben und nicht wahr. Sie haben Angst, dass das Leben doch komplizierter ist, als sie es sich in ihren Gedanken ausmalen.
Fürchtet Euch nicht vor denen die den Leib töten…

Aber genau das tun wir, das Leben das wir haben, ist doch das einzige. Wir können nicht sagen, wir haben mehrere Leben.
Deshalb haben wir auf die eine oder andere Weise Angst um unser Leben.
Angst davor krank zu werden oder hilflos zu sein. Angst vor Schmerz und Angst davor verletzt zu werden (auch an der Seele).
Viele von uns haben Angst vor dem Sterben, nicht vor dem Tod sein-
Da kommt dieser Satz von Jesus bei mir nicht gut an.

Sicherlich kann man sagen, das ist aber kleinmütig oder kleingläubig.
Gleichzeitig kann ich sagen: Ich bin noch nicht bereit zum Sterben. Ich bin mir sicher, dass ich noch was tun kann, was tun muss.
Und  darauf spielt meiner Ansicht nach, dieses Evangelium auch an.
Man kann immer sagen. Ich fang morgen damit an, besser zu leben. Ich fang morgen an in Gottes Sinn zu handeln.

Das ist ja nicht verkehrt. Besser aber ist es heute zu beginnen. Wer in Gottes Sinn lebt und handelt, der braucht keine Angst vor der Zukunft, vor dem Morgen haben.
Da ist nämlich die Zusage Gottes, dass er mir beisteht. Er sieht mein Bemühen und sieht mein Verfehlen und läuft trotzdem nicht weg. Nein, er gibt mir neue Chancen und neue Zusagen.

Liebe Schwestern und Bruder,

auch der Prophet Jeremia hat diese Zusage: Fürchte dich nicht.
Aber er kennt die Angst. In der Lesung hören wir, dass er verfolgt wird, weil er unbequem war.
Das konnte er nur sein und durchstehen, weil er Gott in seinem Rücken wusste.
Wenn wir also als glaubwürdige Christen leben und handeln wollen, dann werden wir unbequem für die Welt sein.
Dann dürfen wir nicht schweigen, wo Ungerechtigkeit geschieht.
Wir müssen genauso gegen Rassismus aufstehen, wie viele in aller Welt. Wir müssen gegen Gewalt und Krieg eintreten, weil wir es in unserem Land selbst erlebt haben.

Wir müssen für die Armen und die Schwachen sprechen, weil sie nicht gehört werden.
Wir müssen bereit sein Abstriche zu machen, damit viele gut leben können.
Und bei all dem dürfen wir sicher sein, da ist unser Gott der uns hilft.
Da ist unser Glaube, der uns Kraft gibt.
Da ist das gute Gefühl, das unsere Angst verdrängt.
Da ist Hoffnung. Hoffnung, dass wir die Welt dadurch besser machen und die Not lindern können.
Fürchtet euch nicht – Gott ist mit uns.

Gebet

Heiliger Gott, gib, dass wir deinen Namen allezeit fürchten und lieben. Denn du entziehst keinem deine väterliche Hand,
der fest in deiner Liebe verwurzelt ist. Darum bitten wir durch Jesus Christus, deinen Sohn, unseren Herrn und Gott,
der in der Einheit des Heiligen Geistes mit dir lebt und wirkt in alle Ewigkeit.
Amen.

Ralf Wellbrock