Impuls zum 13. Sonntag im Jahreskreis - 28.06.2020

Evangelium:        Mt 10, 37–42

Aus dem heiligen Evangelium nach Matthäus.

In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Aposteln:
Wer Vater oder Mutter mehr liebt als mich,
ist meiner nicht wert,
und wer Sohn oder Tochter mehr liebt als mich,
ist meiner nicht wert.
Und wer nicht sein Kreuz auf sich nimmt und mir nachfolgt,
ist meiner nicht wert.
Wer das Leben findet, wird es verlieren;
wer aber das Leben um meinetwillen verliert,
wird es finden.
Wer euch aufnimmt, der nimmt mich auf,
und wer mich aufnimmt, nimmt den auf, der mich gesandt hat.
Wer einen Propheten aufnimmt, weil es ein Prophet ist,
wird den Lohn eines Propheten erhalten.
Wer einen Gerechten aufnimmt, weil es ein Gerechter ist,
wird den Lohn eines Gerechten erhalten.
Und wer einem von diesen Kleinen
auch nur einen Becher frisches Wasser zu trinken gibt,
weil es ein Jünger ist –
Amen, ich sage euch:
Er wird gewiss nicht um seinen Lohn kommen.

Gedanken zum Evangelium:

Liebe Gemeinde,

kennen Sie/ kennt ihr den Film „Das Leben des Brian „?
In diesem Film aus dem Jahre 1979, wird mit bittere Ironie und britischem, schwarzen Humor das Leben des Brian, der zur selben Zeit wie Jesus geboren ist, dargestellt. Er wird durch Missverständnisse gegen seinen Willen als Messias verehrt. Und weil er sich gegen die römischen Besatzer engagiert,  findet er sich schließlich, wie Jesus, in einer Massenkreuzigung wieder.
Kurz vor seiner Kreuzigung gibt es denn dann eine Szene mit einem interessanten Dialog: auf dem Weg zur Kreuzigung begegnet Brian dann einem römischen Soldaten der zu ihm sagt:

"der Nächste!" (betont freundlich): "zur Kreuzigung?" –
"ja", antwortet Brian -
darauf der Soldat:  "durch die Tür, links den Gang entlang...und jeder nur ein Kreuz! - der Nächste..."

Und jeder nur EIN Kreuz…..
Und dieser Satz : Den Gang entlang – und jeder nur ein Kreuz, das ist der Satz, der mich immer wieder mit dem gerade gehörten Evangelium verbindet.
Nach links – und jeder nur ein Kreuz….
Was bedeutet das, wenn Brian diese Aufforderung bekommt. Was wäre, wenn ich diesen Satz hören würde: dazu möchte ich Ihnen eine alte Legende erzählen:

Ein Mensch kam eines Tages zu Gott und machte ihm Vorwürfe: „Du bist herzlos mit mir. Du hast mir ein Kreuz auferlegt, das ich nicht tragen kann. Auf alle anderen hast du mehr Rücksicht genommen. Ihre Kreuze sind leichter als das meine.“ Da führte Gott den Menschen in einen großen Saal, in dem die Kreuze der ganzen Menschheit aufgestellt waren. Und er sprach: „Mein Sohn, der du an meiner Liebe und Gerechtigkeit zweifelst, geh hinein und suche dir selbst ein Kreuz, das du tragen willst.“ Der Mensch machte sich auf die Suche. Da sah er ein ganz dünnes, aber dafür war es länger und größer. Er sah ein ganz kleines, aber als er es aufheben wollte, war es schwer wie Blei. Dann sah er eins, das gefiel ihm, und er legte es auf seine Schultern. Doch da merkte er, wie das Kreuz gerade an der Stelle, wo es auf der Schulter auflag, eine scharfe Spitze hatte, die ihm wie ein Dorn ins Fleisch drang. So hatte jedes Kreuz etwas Unangenehmes. Und als er alle Kreuze durchgesehen hatte und die Suche schon aufgeben wollte, sah er in einer Ecke ein Kreuz stehen, das von allen am ehesten für ihn zu passen schien. Das war nicht zu schwer, nicht zu leicht, das war so richtig handlich, wie geschaffen für ihn. Dieses Kreuz wollte er in Zukunft tragen. Aber als er näher hinschaute, da merkte er, dass es sein Kreuz war, das er bisher getragen hatte.

Und wie sieht es mit meinem Kreuz aus?
Passt mein Kreuz zu mir? Passt mein Leben zu mir?
Kann ich mein Kreuz/mein Leben annehmen? Oder tue ich mich schwer damit? Ist es zu schwer? Gibt es zu viele Herausforderungen, Aufgaben, die ich tragen muss?
Oder kann ich gar locker damit umgehen?

Doch Jesus stellt uns neben der Auf- und Annahme unseres Kreuzes noch vor weitere Aufgaben/Herausforderungen im heutigen Evangelium, die unser Leben als Christ herausfordern.
Vater und Mutter bzw. Sohn oder Tochter soll ich weniger lieben als Jesus; sonst bin ich seiner nicht wert.
Und Menschen, Propheten und Gerechte soll ich aufnehmen und auch Werke der Barmherzigkeit soll ich bringen.
Bis hin – und das mag mit am härtesten klingen: Ich finde mein Leben, wenn ich es um Jesu willen verliere;

Das ist keine leichte Kost….

Das fordert zu einer wahren Entscheidung heraus. Kein Weichspül- Christ sollen wir sein in der Nachfolge. Kein Spaß – Christ, nein ein Christ, der konsequent ist und das empfindet. Doch wie sieht diese Nachfolge aus? Was bedeuten die Forderungen Jesu?

Dazu habe ich mir nicht nur allein meine Gedanken gemacht.
Vielmehr habe ich die Damen des Bibelcafes, mit denen ich mich leider nun auch schon einige Wochen nicht mehr treffen durfte, in der vergangenen Woche digital über Whatsapp mit diesem Evangelium konfrontiert. Dieses war dann in dieser eher isolierten Zeit auch eine gute Form der Kirche der Beteiligung, denn es sind dabei sehr gute Gedanken zusammengetragen worden, die ich ihnen/euch nicht vorenthalten möchte:

Eine Teilnehmerin hatte dazu folgende Gedanken:
Wie so oft, wenn ich ein Evangelium zum ersten Mal höre, dann kommt es mir sehr hart vor, da es uns viel abverlangt.
Ich denke Jesus möchte doch, dass wir Leben in Fülle haben. Warum denn dann das Leben verlieren, wenn wir es doch finden.
Erst wenn ich mich selbst nicht so wichtig nehmen, umso mehr gewinne ich eine neue Sichtweise, die die Menschen in meinem Umfeld mehr wertschätzt. Wenn wir dann begeistert sind, von dem was wir für andere tun, dann ist auch eine bessere Beziehung zu Gott und Jesus möglich. Ein Versuch ist es wert!

Eine weitere Stellungnahme war folgende:
In diesem Evangelium wird die wahre (Gottes-)Liebe angesprochen.
Eine Liebe, die uns und andere leben lässt. Dabei sollten nicht Status, Rasse (ganz aktuell), Lebensformen etc. Maßstab für unsere Liebe zu den Mitmenschen sein.
Gerade den nicht privilegierten Mitmenschen, den Menschen am Rande, anzunehmen und beizustehen wird von uns Christen gefordert. „Wer euch aufnimmt, der nimmt mich auf!“ So sagt es Jesus.
Auch sind wir aufgefordert, Dinge im Leben anzunehmen, die uns belasten und traurig machen. Man fällt nicht tiefer als in Gottes Hand. Hier wird tiefes Gottvertrauen erwartet. Gott hat andere Maßstäbe als wir.
Auch ist Vieles auf dieser Erde von Menschen gemacht oder auch teilweise verursacht. Hierzu passen auch die Themen Corona und die derzeitigen Verschwörungstheorien. Vieles von dem, was wir erleben ist sicherlich nicht Gottes Wille.
Aber mit Vertrauen und Zuversicht wird er uns auch durch diese Zeit geleiten.

Und hier möchte ich noch anfügen:

Wir nehmen als Christen nicht nur unser Kreuz auf uns, sondern vielmehr tragen wir das Kreuz, das Zeichen des Kreuzes bereits seit der Taufe schon auf unserer Stirn. Und dieses Kreuz sagt uns zu: Du bist mein geliebter Sohn/du bist meine geliebte Tochter. Und dieses Zeichen des Kreuzes, dieses Zeichen der Hoffnung bleibt unser Leben lang auf unserer Stirn und hoffentlich auch in unserem Herzen geschrieben.

Und eine Überlegung zum Evangelium sagt uns Folgendes:

Mit diesem Evangelium will Jesus uns wachrütteln. Wir sollen barmherzig sein. Und wir sollen die Gebote halten. Das Gebot der Gottes- und Nächstenliebe sind dabei besonders wichtig. So kann unser Leben gewinnen.
Aber es gibt auch Negatives: Krankheit oder Verlust. Das müssen wir ertragen, gelingt aber nur mit unserem Gottvertrauen und Zuversicht. Mit dem Bewusstsein, dass Jesus an unserer Seite ist, überstehen wir auch die dunklen Zeiten.

Und rufen wir uns den Film, von dem ich zu Beginn gesprochen habe, noch einmal in den Blick, so endet der Film vom Leben des Brian mit folgender, schon sehr schrägen Szene:

Zu sehen sind mehrere Kreuze und an einem hängt Brian.
Doch statt Leid und Tränen hören wir ein Lied. Und dieses Lied soll nicht als billiger Trost verstanden werden.
Aber sie können helfen, unsere Situation ein bisschen erträglicher zu machen und evtl. auch einen anderen, freundlicheren Blick auf die Situation zu werfen, wenn der Nachbar am Kreuz zu Brian sagt:

Nimm's nicht so schwer, Brian! (*1)
Weisst du, was sie sagen?"

Und dann wird folgendes Lied angestimmt:

Always look on the bright side of life  -
Was übesetzt heißt es in etwa: schau einfach auch mal auf die hellere Seite des Lebens!

Petra Kleene