Impuls zum 16. Sonntag im Jahreskreis - 19.07.2020

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Lesung aus dem Brief des Apostels Paulus an die Gemeinde in Rom.
Röm 8,26-27

Schwestern und Brüder!
Der Geist nimmt sich unserer Schwachheit an. Denn wir wissen nicht, was wir in rechter Weise beten sollen; der Geist selber tritt jedoch für uns ein mit unaussprechlichen Seufzern. Der die Herzen erforscht, weiß, was die Absicht des Geistes ist. Denn er tritt so, wie Gott es will, für die Heiligen ein.

Wort des lebendigen Gottes

Aus dem heiligen Evangelium nach Matthäus.  
Mt 13,24-43

In jener Zeit erzählte Jesus der Menge folgendes Gleichnis:
Mit dem Himmelreich ist es wie mit einem Mann, der guten Samen auf seinen Acker säte. Während nun die Menschen schliefen, kam sein Feind, säte Unkraut unter den Weizen und ging weg. Als die Saat aufging und sich die Ähren bildeten, kam auch das Unkraut zum Vorschein.
Da gingen die Knechte zu dem Gutsherrn und sagten:
Herr, hast du nicht guten Samen auf deinen Acker gesät? Woher kommt dann das Unkraut? Er antwortete: Das hat ein Feind getan. Da sagten die Knechte zu ihm: Sollen wir gehen und es ausreißen? Er entgegnete: Nein, damit ihr nicht zusammen mit dem Unkraut den Weizen ausreißt. Lasst beides wachsen bis zur Ernte und zur Zeit der Ernte werde ich den Schnittern sagen: Sammelt zuerst das Unkraut und bindet es in Bündel, um es zu verbrennen; den Weizen aber bringt in meine Scheune! Er legte ihnen ein weiteres Gleichnis vor und sagte: Mit dem Himmelreich ist es wie mit einem Senfkorn, das ein Mann auf seinen Acker säte. Es ist das kleinste von allen Samenkörnern; sobald es aber hochgewachsen ist, ist es größer als die anderen Gewächse und wird zu einem Baum, sodass die Vögel des Himmels kommen und in seinen Zweigen nisten. Er sagte ihnen ein weiteres Gleichnis: Mit dem Himmelreich ist es wie mit dem Sauerteig, den eine Frau nahm und unter drei Sea Mehl verbarg, bis das Ganze durchsäuert war. Dies alles sagte Jesus der Menschenmenge in Gleichnissen und ohne Gleichnisse redete er nicht zu ihnen, damit sich erfülle, was durch den Propheten gesagt worden ist:
Ich öffne meinen Mund in Gleichnissen, ich spreche aus, was seit der Schöpfung der Welt verborgen war. Dann verließ er die Menge und ging in das Haus. Und seine Jünger kamen zu ihm und sagten: Erkläre uns das Gleichnis vom Unkraut auf dem Acker! Er antwortete: Der den guten Samen sät, ist der Menschensohn; der Acker ist die Welt; der gute Samen, das sind die Kinder des Reiches; das Unkraut sind die Kinder des Bösen; der Feind, der es gesät hat, ist der Teufel; die Ernte ist das Ende der Welt; die Schnitter sind die Engel. Wie nun das Unkraut aufgesammelt und im Feuer verbrannt wird, so wird es auch bei dem Ende der Welt sein: Der Menschensohn wird seine Engel aussenden und sie werden aus seinem Reich alle zusammenholen, die andere verführt und Gesetzloses getan haben, und werden sie in den Feuerofen werfen. Dort wird Heulen und Zähneknirschen sein. Dann werden die Gerechten im Reich ihres Vaters wie die Sonne leuchten. Wer Ohren hat, der höre!

Evangelium unseres Herrn Jesus Christus

Gedanken

Liebe Schwestern und Brüder,

ich war am Montag auf einem Milchviehhof und habe mir von einem Landwirt von den Schwierigkeiten erzählen lassen, die es gibt und mir aber auch zeigen lassen, wie sich trotz der großen Zahl von Tieren, immer noch um das Wohl des einzelnen Tieres gesorgt wird.

Vergangene Woche hat mir ein Landwirt davon erzählt, dass die Aktion Artenvielfalt Niedersachsen sich dafür einsetzt, dass an allen Gewässern und damit auch an den Entwässerungsgräben unserer Ackerflächen im Emsland jeweils 5 Meter Bereiche sein müssen, die nicht mit Dünger oder Pestiziden behandelt werden dürfen. Das bedeutet bei manchen unserer emsländischen Flächen, dass da nicht mehr viel zu beackern überbleibt.

Unsere Landwirte können nach meinem Gefühl momentan nicht gewinnen. Wenn in der Landwirtschaft gerade mal Ruhe ist, kommt es zu neuen Skandalen, für die die Landwirte nichts können, wie jetzt bei den Schlachthöfen und dem Ausbruch von CORONA unter den Mitarbeitern.

Und natürlich hat sich die ganze Art der Landwirtschaft gewandelt. Wir hatten früher auch noch Kühe und Schweine, Kaninchen und Hühner zur Selbstversorgung auf unserem kleinen Heuerlingshof.

Zuerst haben wir die Hühner aufgegeben, das Futter zu kaufen war teurer als die Eier.

Dann kamen die 3 Kühe weg, weil wir sonst eine Kühlanlage hätten anschaffen müssen, das war zu teuer.

Als uns die Pachtflächen genommen wurden, mussten auch die Schweine weg und wir konnten nicht weitermachen wie bisher.

Die Flächen wurden von anderen Landwirten übernommen, die größere Maschinen hatten und mehr Flächen für ihre Viehwirtschaft brauchten und natürlich auch andere Pacht zahlen konnten.

Doch auch die konnten irgendwann nicht mehr leben und haben ihren Hof aufgegeben, vielleicht weil es keinen gab, der die Arbeit machen wollte, vielleicht weil die Investitionen zu groß waren, denn die Vorgaben der Gesetzgeber wurden größer.

Liebe Schwestern und Brüder,

ich erzähle Ihnen das vor allem auch deshalb, weil ich das Gefühl habe, dass unser Lebensgefühl schuld an der Situation ist.

Wenn wir hier für ein Kilo Schweinefleisch 4,99 € im Angebot bezahlen, sagen manche schon, dass sei teuer.

Gehe ich in Italien in ein Geschäft bin ich da locker schon bei 6,99 € im Angebot.

Ich denke, wir haben das Gefühl verloren wertzuschätzen, was uns gegeben wird.

Wir erwarten, alles möglichst günstig zu erhalten. Klar sind wir gern bereit mal für ein Essen ein bisschen mehr auszugeben, aber nicht jeden Tag und nicht für ein Schnitzel, dass wir uns doch jeden Tag erlauben können.

Überlegen Sie mal, wie lange es her ist, dass Sie noch dreimal die Woche Eintopf gegessen haben. Und die älteren unter uns können sicher noch sagen, dass da nicht immer so viel Fleischeinlage drin war.

Wir schätzen nicht, was uns geschenkt wird. Wir schätzen diejenigen nicht hoch genug, die dafür sorgen, dass wir gut essen und trinken können.

Natürlich sorgt die Landwirtschaft dafür, dass wir möglichst günstig etwas bekommen können. Kaum jemand von uns, will ja was Teures kaufen.

Die Landwirte sättigen unsere Ansprüche und wenn unsere Ansprüche nur auf den Preis aus sind, dann ist auch der Auftrag, den wir geben: Produziert möglichst günstig, möglichst viel.

Sicher sind sie jetzt gespannt, wie ich auf das Evangelium eingehen will, aber keine Sorge, das kommt jetzt:

Die Knechte wollen gehen und das Unkraut ausreißen. Sie wollen das Schlechte mit aller Macht bekämpfen und stehen in der Gefahr, damit alles zu vernichten – auch das Gute.

Sind wir nicht selbst gerade auf dem gleichen Weg?

Wir fordern einen kompletten Wandel der Landwirtschaft und den sofort – nicht langsam. Wir wollen die Natur schützen, was richtig und gut ist und fordern von den Landwirten komplettes Umdenken, aber wie ist das bei uns selbst?

Wir fordern, dass die Preise sich nicht ändern sollen, immer mit dem Argument, dass Lebensmittel für alle erschwinglich sein müssen. Wir könnten mehr zahlen, aber tun wir es auch? Klar wir kaufen faire Produkte aus aller Welt, aber zahlen wir faire Preise für die Lebensmittel aus unserem Land?

Machen wir mit unserem Wunsch nach sofortiger Änderung nicht diejenigen, die sich nicht zum Wohl der Tiere und der Natur einsetzen, wie auch diejenigen, die sich bei Technisierung darum bemühen, dass das Vieh gut gehalten und gepflegt und die Natur nicht bis zum letzten ausgequetscht wird, kaputt?

Gleiches gilt auch in der Kirche. Wir fordern Veränderungen und mehr Beteiligung, möchten aber unbedingt einen eigenen Pfarrer und am liebsten wollen wir, dass alles so bleibt wie es ist. Weil wir alle weniger Zeit haben, möchten wir aber nicht so viel in der Kirche tun, da gibt es ja andere die mehr Zeit haben oder Hauptamtliche, die das wohl tun können.

Der Gutsherr fordert zur Geduld auf, er sagt: Wenn die Saat wächst, werden wir unterscheiden können, was gut und erhaltenswert und auch was schlecht ist und vernichtet werden muss.

Ich denke, wenn wir jetzt den Wandel der Landwirtschaft wollen, müssen wir bereit sein, diesen Wandel mitzutragen. Wir müssen dann jetzt bereit sein mehr zu investieren für unsere täglichen Lebensmittel. Wir brauchen die Geduld auszuhalten und zu erkennen, wie wir unsere Landwirte unterstützen können.

Und wir werden mit keiner gesetzlichen Verordnung sofort spüren, dass sich etwas verändert. Wir müssen auch ein bisschen warten, bis wir erkennen können, was noch zu ändern ist.

Wenn wir Wandel in der Kirche wollen, dann heißt das, Veränderungen zu ertragen und mitzutragen.

Wenn unsere Gemeinde erhalten bleiben soll, wie sie ist, dann bedeutet das doch mehr Eigenengagement und Mut.

Jesus spricht damals vom Glauben, der wachsen soll und der mit Zweifeln und Ängsten zusammen aufwächst. Die Früchte des Glaubens sind nicht sofort erkennbar, das braucht Zeit.

Bitten wir den Herrn, dass er uns hilft Geduld zu haben und zu unterscheiden und nicht immer gleich alles ausreißen zu wollen.

Amen.

Gebet

Guter Gott, du säst aus und wir ernten, du gibst und wir empfangen.
Hilf uns anzunehmen und wertzuschätzen was Du uns gibst.
Hilf uns die wertzuschätzen die dafür sorgen, dass wir leben und gut leben können.
Begleite unser Tun und Handeln, damit wir dafür sorgen, dass Dein Reich jetzt und hier sichtbar wird. Darum bitten wir durch Jesus Christus, unseren Bruder und Herrn.
Amen.