Impuls zum 2. Sonntag der Osterzeit


Lesung aus der Offenbarung des Johannes                                                                                          Offb 1,9-11a.12-13.17-19

9 Ich, Johannes, euer Bruder und Gefährte in der Bedrängnis, in der Königsherrschaft und im standhaften Ausharren in Jesus, war auf der Insel, die Patmos heißt, um des Wortes Gottes willen und des Zeugnisses für Jesus.
10 Am Tag des Herrn wurde ich vom Geist ergriffen und hörte hinter mir eine Stimme, laut wie eine Posaune.
11a Sie sprach: Schreib das, was du siehst, in ein Buch und schick es an die sieben Gemeinden in Kleinasien.
12 Da wandte ich mich um, weil ich die Stimme erblicken wollte, die zu mir sprach. Als ich mich umwandte, sah ich sieben goldene Leuchter
13 und mitten unter den Leuchtern einen gleich einem Menschensohn; er war bekleidet mit einem Gewand bis auf die Füße und um die Brust trug er einen Gürtel aus Gold.
17 Als ich ihn sah, fiel ich wie tot vor seinen Füßen nieder. Er aber legte seine rechte Hand auf mich und sagte: Fürchte dich nicht! Ich bin der Erste und der Letzte
18 und der Lebendige. Ich war tot, doch siehe, ich lebe in alle Ewigkeit und ich habe die Schlüssel zum Tod und zur Unterwelt.
1 9Schreib auf, was du gesehen hast: was ist und was danach geschehen wird.
Wort des lebendigen Gottes

Aus dem heiligen Evangelium nach Johannes                                                                                                         Joh 20,19-31

19 Am Abend dieses ersten Tages der Woche, als die Jünger aus Furcht vor den Juden bei verschlossenen Türen beisammen waren, kam Jesus, trat in ihre Mitte und sagte zu ihnen: Friede sei mit euch!
20 Nach diesen Worten zeigte er ihnen seine Hände und seine Seite. Da freuten sich die Jünger, als sie den Herrn sahen.
21 Jesus sagte noch einmal zu ihnen: Friede sei mit euch! Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch.
22 Nachdem er das gesagt hatte, hauchte er sie an und sagte zu ihnen: Empfangt den Heiligen Geist!
23 Denen ihr die Sünden erlasst, denen sind sie erlassen; denen ihr sie behaltet, sind sie behalten.
24 Thomas, der Dídymus genannt wurde, einer der Zwölf, war nicht bei ihnen, als Jesus kam.
25 Die anderen Jünger sagten zu ihm: Wir haben den Herrn gesehen. Er entgegnete ihnen: Wenn ich nicht das Mal der Nägel an seinen Händen sehe und wenn ich meinen Finger nicht in das Mal der Nägel und meine Hand nicht in seine Seite lege, glaube ich nicht.
26 Acht Tage darauf waren seine Jünger wieder drinnen versammelt und Thomas war dabei. Da kam Jesus bei verschlossenen Türen, trat in ihre Mitte und sagte: Friede sei mit euch!
27 Dann sagte er zu Thomas: Streck deinen Finger hierher aus und sieh meine Hände! Streck deine Hand aus und leg sie in meine Seite und sei nicht ungläubig, sondern gläubig!
28 Thomas antwortete und sagte zu ihm: Mein Herr und mein Gott!
29 Jesus sagte zu ihm: Weil du mich gesehen hast, glaubst du. Selig sind, die nicht sehen und doch glauben.
30 Noch viele andere Zeichen hat Jesus vor den Augen seiner Jünger getan, die in diesem Buch nicht aufgeschrieben sind.
31 Diese aber sind aufgeschrieben, damit ihr glaubt, dass Jesus der Christus ist, der Sohn Gottes, und damit ihr durch den Glauben Leben habt in seinem Namen.
Evangelium unseres Herrn Jesus Christus

Gedanken

Liebe Schwestern und Brüder,

Papst Johannes Paul II hat das Fest der göttlichen Barmherzigkeit eingeführt und es bewusst an diesen Sonntag nach Ostern gesetzt.
Oftmals wird dieses Fest nicht gefeiert, weil dann die Erstkommunionfeiern in den Gemeinden sind, so wie bei uns auch.
Aber da wir wegen Corona nicht gemeinsam feiern können, wollen wir uns heute der Barmherzigkeit Gottes zuwenden.

Eigentlich witzig, denn genau das meint für mich die Barmherzigkeit Gottes. Er wendet sich uns zu und hilft. Er schaut mit geduldigem und liebevollem Blick auf uns und versucht uns zum Leben zu führen.
Die Texte des heutigen Tages versuchen uns das klarzumachen:

In der Apostelgeschichte hören wir, dass die Menschen zum Glauben kamen und zu großem Vertrauen darauf, dass die Männer und Frauen, die mit Jesus unterwegs gewesen waren, das Leben teilen können.
Der Glaube war so stark, dass Gott durch diese Menschen hilft, dass es ihnen genügte, wenn der Schatten von Petrus auf sie fiel.
Gottes Barmherzigkeit mit den Kranken und Leidtragenden zeigt sich eben nicht nur in den Heilungserzählungen, wie der Heiligung des Besessenen oder der Leprakranken oder der Blinden.

Gottes Barmherzigkeit wird fortgeführt im Tun derjenigen denen er dies anvertraut.
Und bis heute wird von Wunderheilungen berichtet, weil Menschen sich der Fürsprache der Gottesmutter oder anderer Heiliger anvertraut haben.
Heilung wird an Orten wie Lourdes möglich, weil die Kranken sich Gott anvertrauen.
Heilung spüre ich aber auch da, wo ich das Sakrament der Krankensalbung spenden darf und spüre, dass Menschen plötzlich ruhig werden und mitbeten obwohl mir alle sagen, der / die Kranke hat seit Tagen nichts gesagt.

Gottes Barmherzigkeit bedeutet für mich dann, dass er jeden an sein Herz drücken will, wie Kinder von ihren Eltern in den Arm genommen und ans Herz gedrückt werden.

Die Barmherzigkeit Gottes ist aber auch in der Lesung aus der Offenbarung des Johannes zu hören.

Gottes Barmherzigkeit ist so groß, dass er immer wieder ermahnt und Boten schickt.
In dieser Lesung hören wir wie Johannes in der Haft Briefe an sieben Gemeinden schicken soll. Sie sind von den Aposteln gegründet worden und haben den Glauben verloren oder leben ihn so, dass er nicht glaubhaft, nicht lebendig ist.
Gott lässt seine Kinder nicht im Stich, er sendet Nachricht – direkt oder eben auch durch Propheten oder die Apostel.
Er kritisiert, aber gleichzeitig ermutigt er auch. Gottes Barmherzigkeit ist eine große Geduld und Ausdauer, denn er weiß, dass wir Menschen lange brauchen, um zu verstehen und es viel Energie kostet uns zur Veränderung zu führen.
Und am Ende führt er den, der glaubt und sich bemüht Gottes Wege zu gehen, zum Leben, Gottes Barmherzigkeit ist endlos.

Gleichzeitig ist es Gottes Barmherzigkeit, die immer wieder hilft, ihn zu erkennen und in unserem Leben zu finden.
Davon erzählt die Offenbarung in diesen wenigen Zeilen und noch viel mehr das Evangelium.
Gott hat so viele Zeichen gesetzt, dass er argumentieren könnte: Das muss doch reichen, dass ihr mir glaubt und auf mich vertraut.
Aber so ist er nicht.
In seiner großen Güte wendet er sich uns wieder zu. Lässt sich sehen, und lässt sich berühren.

Gottes Barmherzigkeit ist es zu verdanken, dass wir das Fest der Hl. Eucharistie feiern können. Denn in der Einsetzung des Abendmahls hat er uns ein spürbares und sichtbares Erbe hinterlassen. Er ist in unserer Mitte und will zu jedem von uns kommen.

Liebe Schwestern und Brüder,

Gottes Barmherzigkeit bleibt grenzenlos und lässt sich nur schwer in Worte fassen. Vielleicht kann man es am Ehesten begreifen, wenn wir Jesu Leben und Handeln, Jesu Sterben und Auferstehen sehen. Hoffentlich führt uns das zur Erkenntnis: Gott du bist groß, du hast uns Leben, Hoffnung und Zukunft geschenkt.
Amen.

Gebet

Barmherziger Gott,
durch die jährliche Osterfeier
erneuerst du den Glauben deines Volkes.
Lass uns immer tiefer erkennen,
wie heilig das Bad der Taufe ist,
das uns gereinigt hat,
wie mächtig dein Geist,
aus dem wir wiedergeboren sind,
und wie kostbar das Blut, durch das wir erkauft sind.
Darum bitten wir durch Jesus Christus, deinen Sohn,
unseren Herrn und Gott, der in der Einheit des Heiligen Geistes
mit dir lebt und wirkt in alle Ewigkeit.
Amen.

Ralf Wellbrock