Impuls zum 2. Sonntag nach Weihnachten


Aus dem heiligen Evangelium nach Johannes
                                                                                      Joh 1,1-5.9-14

1 Im Anfang war das Wort und das Wort war bei Gott und das Wort war Gott.
2 Dieses war im Anfang bei Gott.
3 Alles ist durch das Wort geworden und ohne es wurde nichts, was geworden ist.
4 In ihm war Leben und das Leben war das Licht der Menschen.
5 Und das Licht leuchtet in der Finsternis und die Finsternis hat es nicht erfasst. 9 Das wahre Licht, das jeden Menschen erleuchtet, kam in die Welt.
10 Er war in der Welt und die Welt ist durch ihn geworden, aber die Welt erkannte ihn nicht.
11 Er kam in sein Eigentum, aber die Seinen nahmen ihn nicht auf.
12 Allen aber, die ihn aufnahmen, gab er Macht, Kinder Gottes zu werden, allen, die an seinen Namen glauben,
13 die nicht aus dem Blut, nicht aus dem Willen des Fleisches, nicht aus dem Willen des Mannes, sondern aus Gott geboren sind.
14 Und das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt und wir haben seine Herrlichkeit geschaut, die Herrlichkeit des einzigen Sohnes vom Vater, voll Gnade und Wahrheit.
Evangelium unseres Herrn Jesus Christus

Gedanken

Liebe Schwestern und Brüder,
sie wissen, dass wir mit Worten sehr viel machen können.
Mit Worten können wir Menschen motivieren und aufbauen und mit Worten schaffen wir es, Menschen zu vernichten.
Das Wort ist schon aus unserem Mund etwas, was gefährlich sein kann. Durch unser Reden beeinflussen wir Menschen.
In dieser Zeit müssen wir doch nur die ganzen Verschwörungstheoretiker hören, die mit ihren Unterstellungen, Verdächtigungen und Theorien nicht nur einzelne Menschen, sondern sogar ganze Berufsgruppen schlecht machen. Genauso aber auch die, die aus Menschen, die Sorge vor einer Impfung haben, Buh-Männer und Frauen machen wollen.
Denken wir nur an die Demagogen des Nationalsozialismus oder anderer Diktaturen und Regierungen, die die Meinung ganzer Völker gebildet haben.
Und schauen Sie selbst, wenn Sie mit Kindern sprechen, wie Sie die mit wenigen Worten aufbauen oder auch klein machen können.

Das Wort ist Mensch geworden… Der Prolog aus dem Johannesevangelium ist ein ganz starkes Zeugnis der Macht des Wortes. Gott selbst spricht sich für den Menschen und für das Leben aus, deshalb kommt er in die Welt und bittet um Aufnahme. Er will segnen, die ihm folgen und stärken, die schwach sind und scheinbar keine Rechte und keinen Fürsprecher haben.
Leider lässt uns dieser Evangelientext nicht so gut dastehen, schließlich wird uns immer wieder gesagt, dass Gott nicht wirken kann, weil wir ihn nicht lassen.
Diese Erfahrung mache ich auch. Wie kann Gott wirken, wenn der Glaube nachlässt und wir nicht darauf vertrauen, dass es diesen Gott des Lebens gibt und der wirklich an Dir und mir interessiert ist?
Und dann gibt es da eine Stelle, die mich wirklich stutzig macht. Allen aber, die ihn aufnahmen, gab er Macht, Kinder Gottes zu werden…
Wir haben die Macht Kinder Gottes zu werden? Ich dachte wir sind es schon.
Schließlich sagt Paulus doch in seinem Brief an die Gemeinde in Ephesus:  Seine Gnade ist geschenkt, also auch die Kindschaft und Erwählung ist ein Geschenk Gottes.
Wie passt das zusammen mit der Macht Kind Gottes zu werden?

Ich denke, liebe Schwestern und Brüder,
das ist gar nicht so weit auseinander wie es zunächst klingt.
In beiden Texten, die wir gehört haben, geht es darum, dass wir aus dem Willen Gottes geschaffen wurden. Es wird betont, dass wir schon vor der Geburt Kinder Gottes sind, dass gilt es aber zu beweisen und zu bestätigen.
Wir sollen, so sagt es Paulus, gläubig sein und Gott und den Nächsten lieben. Voll Vertrauen sollen wir dem Geist Gottes folgen, der in uns wohnen und durch uns wirken will.
Wenn wir das tun, sagt Paulus, werden wir erkennen, dass wir zum Leben berufen sind, zum Leben hier auf Erden genauso wie auch zum Leben in der Gegenwart und Liebe Gottes.

Das Evangelium spricht von dem Wort, das sich im Menschen ausspricht und das den Menschen erleuchten und seine Welt hell, also voller Leben und Hoffnung, machen will.
Gott erfüllt uns und will in uns Wohnung nehmen und uns dadurch befähigen, dass wir als seine Kinder leben.
Dass er uns die Macht darüber gibt, heißt für mich: Ich bin geliebt und frei. Nur in wahrer Freiheit kann ich mich für Gott entscheiden und nur weil Gott mich wirklich liebt, habe ich diese Freiheit.

Gott ist Mensch geworden, oder um es mit dem Johannes Evangelium zu sagen, hat Fleisch angenommen um uns seine Liebe zu zeigen. Diese Liebe ist so groß, dass er uns sogar die Macht gibt als seine Kinder zu leben und ihm zu folgen.

Das bedeutet, dass auch wir unsere Worte weise wählen, wenn wir mit dem Nächsten umgehen, und gerade auch dann wenn wir von Gott sprechen.
Unseren Worten müssen wir aber auch Taten folgen lassen, damit wir beweisen, wie sehr wir zu unserem Gott stehen.
Amen.

Gebet

Allmächtiger, ewiger Gott,
du erleuchtest alle, die an dich glauben.
Offenbare dich den Völkern der Erde,
damit alle Menschen
das Licht deiner Herrlichkeit schauen.
Darum bitten wir durch Jesus Christus, deinen Sohn,
unseren Herrn und Gott, der in der Einheit des
Heiligen Geistes mit dir lebt und wirkt in alle Ewigkeit.
Amen.

Ralf Wellbrock