Impuls zum 23. Sonntag im Jahreskreis


Bild von Anemone123 auf

Aus dem Heiligen Evangelium nach Markus                                                                                                                Mk 7, 31-37

In jener Zeit
31 verließ Jesus das Gebiet von Tyrus und kam über Sidon an den See von Galiläa, mitten in das Gebiet der Dekápolis.
32 Da brachten sie zu ihm einen, der taub war und stammelte, und baten ihn, er möge ihm die Hand auflegen.
33 Er nahm ihn beiseite, von der Menge weg, legte ihm die Finger in die Ohren und berührte dann die Zunge des Mannes mit Speichel;
34 danach blickte er zum Himmel auf, seufzte und sagte zu ihm: Éffata!, das heißt: Öffne dich!
35 Sogleich öffneten sich seine Ohren, seine Zunge wurde von ihrer Fessel befreit und er konnte richtig reden.
36 Jesus verbot ihnen, jemandem davon zu erzählen. Doch je mehr er es ihnen verbot, desto mehr verkündeten sie es.
37 Sie staunten über alle Maßen und sagten: Er hat alles gut gemacht; er macht, dass die Tauben hören und die Stummen sprechen.

Evangelium unseres Herrn Jesus Christus

Gedanken

Heute Nachmittag ist es wieder so weit. Ich darf zu einem Kind sagen:
Effata – öffne dich.
Und damit ist die Bitte an Gott verbunden, er möge diesem Kind helfen auf ihn zu hören und ihm den Mut geben, vom eigenen Glauben zu sprechen. Und wie nötig ist es, dass wir lernen von unserem Glauben zu sprechen.
Überlegen Sie mal kurz, wann haben Sie das letzte Mal bewusst über ihren Glauben gesprochen?

Nicht nur einfach ein Gott sei Dank gesagt, oder die Kirche kritisiert oder den Kopf über irgendetwas geschüttelt, sondern über ihren persönlichen Glauben gesprochen?
Sie haben heute schon eine Lesung und das Evangelium gehört, jetzt gerade eben noch.
Aber viele Worte und viele Gebete und viele eigene Gedanken beschäftigen uns. Da geht dem einen und der anderen schon mal das Evangelium durch, von der Lesung wollen wir gar nicht erst sprechen. Wir können uns teilweise gerade nicht öffnen.

Liebe Schwestern und Brüder,

Jedem von uns ist zugesagt: Effata – öffne dich. Aber das ist so schwer.
Das ist schwer, wenn es um den eigenen persönlichen Glauben geht, das ist schwer, wenn es um die eigene Gefühlswelt geht, das ist schwer, wenn es darum geht, aus eingetretenen Pfaden herauszukommen und Neues auszuprobieren oder tatsächlich zu wagen.

Es fällt den Würdenträgern in den höchsten Ebenen schwer sich zu öffnen. Die Kirche muss sich wandeln und will doch scheinbar nicht, sie öffnet sich nicht dem Geist. Tatsächlich muss aber jeder Wandel, jede Veränderung auch auf der Lehre basieren, die sich in den letzten 2.000 Jahren entwickelt hat. Unsere Lehre ist eine, die sich auf die Worte Gottes zurück besinnt und mit den Traditionen zusammen gewachsen ist. Um etwas zu verändern, ja sich zu öffnen, muss alles überprüft werden um nicht das Falsche zu fördern.

Die Forderungen an die Kirche sich zu öffnen, sind teilweise sicher zu recht gestellt. Und die Erwartung ist, dass es jetzt sein muss, sofort.
Wenn ich aber auf mich selbst schaue, dann brauche ich für manche Veränderung auch länger, als andere es erwarten. Ich muss den Schritt gehen können.

In unserer Kirche sind es nicht nur Einzelne sondern viele Gläubige aus verschiedensten Kulturen, die alle Schritte mitgehen können müssen.
Da gibt es diejenigen die alles Alte ablehnen und alles anders wollen, aber gar nicht sagen können, was anders eigentlich heißen soll.
Da gibt es diejenigen die alle Veränderungen ablehnen und zurück wollen zum Althergebrachten, weil das Sicherheit gibt.
Da gibt es die „moderaten“ Kräfte, die eine Mischung von allem wollen, weil das katholisch, also allumfassend, ist.

Veränderungen in der Kirche brauchen lang und wir sind in unserer Zeit gar nicht gewohnt, dass etwas lange dauert.
Die Gesellschaft erfordert ständigen Wandel und täglich gibt es neue Möglichkeiten.
Wenn wir da mitgehen, sind wir vielleicht hip und voll en vogue, aber tut uns das gut?

Es ist doch so, dass ich manchmal schon das Gefühl habe, ich hätte was verpasst, weil ich etwas nicht mitmache.
Und schnell scheint es so, dass derjenige, der die neuste Medientechnik nicht nutzt oder soziale Medien ignoriert, verbohrt ist und sich der Moderne verschließt.

Liebe Schwestern und Brüder,

sich zu öffnen heißt für mich heute als aller erstes:
Nimm dir mehr Zeit für Gott. Höre auf sein Wort, lies in der Bibel und bleibe mal einfach still vor ihm.

Als nächstes heißt das für mich:
Sei bereit in den Austausch zu gehen, sprich mit Gott, und sprich mit anderen über das was dein Glaube dir bedeutet.

Danach muss doch dann kommen, dass ich den Glauben tatsächlich lebe, der mit etwas bedeutet. Meine Be“Geist“erung, muss spürbar und erlebbar sein. Werde dem Nächsten zum Bruder, zur Schwester.

Jesus hat sich im heutigen Evangelium bewusst dem zugewandt, der offensichtlich ein Niemand ist – er kann nicht sprechen, er kann nicht hören. Wozu taugt er? Jesus hatte und hat immer die Offenheit für alle da zu sein, die ihn suchen, die ihn aufrichtig bitten.
Gott macht keinen Unterschied nach Bekleidung, Rang, Amt oder körperlichen Kriterien. Er wendet sich allen zu – Gott ist offen zu allen seinen Geschöpfen.

Bitten wir Gott immer wieder, dass er uns hilft, dass wir uns nie verschließen, wenn andere unsere Hilfe brauchen.
Bitten wir den Heiligen Geist, dass er unsere Herzen erfüllt, damit wir von ihm sprechen und ihn preisen und er die Kirche und die Welt zum Heil führt.

Amen.

Gebet                                          Andrea Rehn-Laryea (*1963)

Gotteslob 19,3

Öffne meine Augen, Gott, deine Herrlichkeit in der Vielfalt von Pflanzen und Blumen zu sehen.
Öffne meine Ohren, Gott, deine Stimme im Vogelgesang und im Rauschen der Blätter zu hören.
Öffne mein Herz, Gott, deine Liebe in der Fülle von Früchten und Samen zu erahnen.
Öffne meine Hände, Gott, deine Schöpfung zu pflegen und zu bewahren.
Öffne mein Leben, Gott, und mach mich fähig, dich in allem zu erkennen.

Ralf Wellbrock