Impuls zum 28. Sonntag im Jahreskreis - 11.10.2020


Bild von Klaus Hausmann auf

+ Aus dem Heiligen Evangelium nach Matthäus                                                                                                          Mt 22, 1-14

In jener Zeit
1 erzählte Jesus den Hohepriestern und den Ältesten des Volkes das folgende Gleichnis:
2 Mit dem Himmelreich ist es wie mit einem König, der seinem Sohn die Hochzeit ausrichtete.
3 Er schickte seine Diener, um die eingeladenen Gäste zur Hochzeit rufen zu lassen. Sie aber wollten nicht kommen.
4 Da schickte er noch einmal Diener und trug ihnen auf: Sagt den Eingeladenen: Siehe, mein Mahl ist fertig, meine Ochsen und das Mastvieh sind geschlachtet, alles ist bereit. Kommt zur Hochzeit!
5 Sie aber kümmerten sich nicht darum, sondern der eine ging auf seinen Acker, der andere in seinen Laden,
6 wieder andere fielen über seine Diener her, misshandelten sie und brachten sie um.
7 Da wurde der König zornig; er schickte sein Heer, ließ die Mörder töten und ihre Stadt in Schutt und Asche legen.
8 Dann sagte er zu seinen Dienern: Das Hochzeitsmahl ist vorbereitet, aber die Gäste waren nicht würdig.
9 Geht also an die Kreuzungen der Straßen und ladet alle, die ihr trefft, zur Hochzeit ein!
10Die Diener gingen auf die Straßen hinaus und holten alle zusammen, die sie trafen, Böse und Gute, und der Festsaal füllte sich mit Gästen.
11 Als der König eintrat, um sich die Gäste anzusehen, bemerkte er unter ihnen einen Menschen, der kein Hochzeitsgewand anhatte.
12 Er sagte zu ihm: Freund, wie bist du hier ohne Hochzeitsgewand hereingekommen? Der aber blieb stumm.
13 Da befahl der König seinen Dienern: Bindet ihm Hände und Füße und werft ihn hinaus in die äußerste Finsternis! Dort wird Heulen und Zähneknirschen sein.
14 Denn viele sind gerufen, wenige aber auserwählt.

Gedanken

Liebe Schwestern und Brüder,

die Lesung die wir gehört haben, erzählt uns ja von dem Festmahl dass es dann geben wird, wenn der Tod verschlungen ist und das Leben gesiegt hat. Wir können das, was uns Jesaja sagt neutestamentlich mit dem Himmlischen Hochzeitsmahl ausdrücken und wissen, dass damit gemeint ist, wenn der Herr wiederkommt.

In der Lesung ist zu verstehen: wenn der Herr wiederkommt, wird er alle zu sich holen und wir werden alle bei ihm Essen und Trinken und Feiern. Es wird ein ewiges Fest sein und wir alle werden unseren Herrn sehen, wie er wirklich ist.

Damit könnte ich diese Predigt schon beenden. Das ist doch eine wirklich frohe Botschaft und sie ist so gut, dass man damit nichts mehr toppen kann. Allerdings lässt mich das Evangelium daran plötzlich zweifeln. Werden wirklich alle bei diesem großen Fest dabei sein? Werden wir alle geholt?

Die klare Antwort ist: JA  - wir werden alle geholt.

Zunächst sieht das aber nicht so aus. Der Gastgeber hat eine Gästeliste – er weiß genau, wen er einladen will und mit wem er feiern will. Genau wie das bei uns auch so ist. Wir wollen auch nicht mit Jan und Mann feiern, sondern mit denen die zu uns gehören, die wichtig sind.

Das Essen ist fast fertig und er schickt die Diener los.

Wenn wir ehrlich sind, bräuchte das heute doch keiner machen. Wir haben doch alle keine Zeit, wir können doch nicht eben mal so zu einem Fest gehen. Wie stellt sich der Gastgeber das vor?

Ich hab kein Geschenk bei, ich habe noch zu tun, ich hab nichts anzuziehen.

Genauso scheint es den Gästen zu gehen.

Da sind die, die gerade noch beschäftigt sind mit ihrem eigenen Leben, es geht ums Überleben, es geht ums versorgt sein, es geht um die Karriere – im Evangelium sind das die, die sich um den Acker oder den Laden kümmern müssen.

Da sind Menschen eingeladen und die wollen von der Einladung nichts hören, sie bekämpfen den Boten, vielleicht haben sie schlechte Erfahrungen gemacht oder sind misstrauisch oder haben das Gefühl überfallen zu werden, dass sie diejenigen die die Boten misshandeln oder sogar umbringen.

Manche sind vielleicht auch einfach überfordert mit dieser Einladung – so gut kennen wir uns doch gar nicht und ich hab gar kein Geschenk…

Und derjenige der einlädt ist darüber so erbost, dass er sie alle vernichtet. Er vernichtet alle, die seiner Einladung nicht folgen.

Wie stur ist dieser Gastgeber. Er ist beleidigt weil sie seiner Einladung nicht gefolgt sind. Aber überlegen Sie selbst mal, wie es Ihnen geht, wenn jemand eingeladen ist und einfach nicht kommt, obwohl Sie für alles gesorgt haben.

Unsere Haltung ist dann meistens: Wie du mir – so ich dir. Und wir gehen dann auch einfach nicht hin, wenn wir eingeladen werden.

Liebe Schwestern und Brüder,

das Essen ist ja nun fertig und der Gastgeber will es nicht verkommen lassen. Er will auch unbedingt feiern, die Liebe des Sohnes ist etwas Besonderes und das soll nicht einfach so unter den Tisch fallen.

So schickt er dann die Diener los, damit sie alle einladen die sie finden. Und es steht extra da – eingeladen werden Böse und Gute.

Und die, die da gerufen werden, machen sich schick, sie bereiten sich auf das Festmahl vor und vielleicht waschen sie sich nur, weil sie wissen, sie sind zu etwas Großen.

Die Gästeliste ist nicht mehr wichtig, es ist nicht wichtig ob ein Geschenk mit gebracht wird, es ist nicht wichtig, was du vorher gemacht hast. Wichtig ist, dass Du der Einladung angemessen folgst.

Einer tut das nicht, er ist nicht schick, er ist eher einer der sich auf eine Mahlzeit freut und einfach wieder gehen will. Er zieht sich nicht um, für mich heißt das, er hat sich in gar keiner Weise auf die Feier vorbereitet. Und er wird hinausgeschmissen.

Liebe Schwestern und Brüder,

Evangelium und Text handeln wörtlich vom Essen und Festmahl und doch geht es ums ewige Leben.

Beide Texte sagen: Jeder der eingeladen ist und sich dieser Einladung würdig erweist, der darf mitfeiern.

Jetzt könnte ich aus dem Evangelium schließen, Gott vernichtet diejenigen die nicht würdig sind. Und unser Denken ist ja auch so: Der hat das nicht verdient, so wie der / die immer auftritt.

Aber eingeladen sind, erinnern wir uns dran: Böse und Gute. Das heißt bis zum Ende haben wir alle die Chance eingeladen zu werden. Auf die Einladung antworten wir aber selbst.

Gott schließt seine Gäste nicht aus, das haben sie alle selber getan. Er hat nur denjenigen, der sich reinschmuggeln wollte – ohne große Mühe, den hat er zurückgeschickt.

Also sind wir selbst und nicht jemand anderes für unser Heil zuständig. Wir dürfen Gott nicht die Schuld geben, dass er uns ja nichts Gutes tut. Er versucht es, aber wir müssen es auch annehmen.

Wir sind nicht nur in dieser Feier eingeladen, die Liebe des Sohnes zu feiern und uns danach wieder in unser altes Leben zu begeben. Diese Mahlfeier soll uns zum Umdenken bringen und uns bereit machen für das ewige Leben.

Amen.

Gebet:

Herr, unser Gott, deine Gnade komme uns zuvor und begleite uns, damit wir dein Wort im Herzen bewahren und immer bereit sind, das Gute zu tun.
Steh uns bei, dein Tun an uns zu erkennen und dankbar annehmen zu können, damit wir das Heil erlangen, zu dem du uns eingeladen hast. Darum bitten wir durch Jesus Christus, deinen Sohn, unseren Herrn und Gott, der in der Einheit des Heiligen Geistes, mit dir lebt und wirkt in Ewigkeit.

Amen.

Ralf Wellbrock