Impuls zum 29. Sonntag im Jahreskreis - 18.10.2020


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Aus dem heiligen Evangelium nach Matthäus.                                         Mt 22,15-21

In jener Zeit

15  kamen die Pharisäer zusammen      
und beschlossen, Jesus mit einer Frage eine Falle zu stellen.

16 Sie veranlassten ihre Jünger,     
zusammen mit den Anhängern des Herodes zu ihm zu gehen     
und zu sagen: Meister,     
wir wissen, dass du die Wahrheit sagst     
und wahrhaftig den Weg Gottes lehrst     
und auf niemanden Rücksicht nimmst,     
denn du siehst nicht auf die Person.

17 Sag uns also:     
Was meinst du?     
Ist es erlaubt, dem Kaiser Steuer zu zahlen,     
oder nicht?

18 Jesus aber erkannte ihre böse Absicht     
und sagte: Ihr Heuchler,     
warum versucht ihr mich?

19 Zeigt mir die Münze, mit der ihr eure Steuern bezahlt!     
Da hielten sie ihm einen Denár hin.

20 Er fragte sie: Wessen Bild und Aufschrift ist das?

21 Sie antworteten ihm: Des Kaisers.     
Darauf sagte er zu ihnen:     
So gebt dem Kaiser, was dem Kaiser gehört,     
und Gott, was Gott gehört!

Evangelium unseres Herrn Jesus Christus

Gedanken

Liebe Schwestern und Brüder,

ich finde es interessant, was wir heute in der Lesung hören, etwas Verrücktes. Da wird ein fremder König, ein Besatzer des Heiligen Landes  - der Perserkönig Kyrus, als Gesalbter des Herrn bezeichnet.

Bis hierher, könnte man sagen, war immer klar, dass nur das Volk Israel zu Gott gehört und nur dessen König, oder bei Mose und den Richtern, Anführer, war der Gesalbte, also der von Gott auserwählte und zur Führung bestimmte Mensch an der Spitze des Volkes Gottes.

Doch die Babylonier überfielen das Volk Israel und entführten die Elite des Landes. Priester, Schriftgelehrte und Weise des Landes wurden mitgenommen, so wurde das Volk Israel führungslos und musste sich dem Volk unterwerfen, das es besiegt hatte.

Die Ursache dieses großen Exils, wie es in der Bibel oft beschrieben wird, liegt darin, dass das Volk Israel sich von seinem Gott abgewandt hatte.

Die Israeliten heirateten nicht mehr nur innerhalb des eigenen Volkes, sie nahmen sich Frauen aus anderen Ländern und brachten auch die Götter der anderen Länder in ihr eigenes Land.

Gott zu folgen war nie einfach.

Die Regeln der Thora sind umfangreich, das wissen wir und das Leben innerhalb der Gebote Gottes ist anstrengend, auch wenn es frei macht.

Andere Götter, andere Regeln und so Manches war einfacher und schöner und lockte mehr.

Die Bibel ist voll davon, dass es nicht die einfachen Leute waren, sondern auch die Elite, die immer wieder den Bund brach, den das Volk mit Gott geschlossen hatte.

Das Exil war, so sagt es die Bibel, Folge der Untreue des Volkes Israel.

Trotzdem hat Gott seine Liebe dem Volk nie entzogen, sondern auch im Exil dafür gesorgt, dass seine Stimme gehört würde. Er sandte Propheten wie Jesaja und Daniel und er sorgte für einen gütigen Besatzerkönig – Kyrus, den König der Perser.

Er wird der Gesalbte des Herrn genannt, weil Gott durch ihn dafür sorgte, dass das die Israeliten aus dem Exil in ihre Heimat zurückkehren durften.

Kyrus, der Perserkönig besiegte das Volk der Babylonier und befreite das Volk Israel.

Gleichzeitig wurden die Perser die Besatzer des ganzen Gebietes, aber Kyrus regierte anders als die Babylonier vorher. Er gestand den Israeliten zu, ihren eigenen Glauben zu leben.

Unter seiner Herrschaft kehrten die Exilanten zurück und der zerstörte Tempel wurde wieder aufgebaut und die Einrichtung des Tempels wurde zurückgegeben.

Kyrus wurde sozusagen ein Werkzeug Gottes um die Last der Israeliten nicht schwerer zu machen. Und durch sein Handeln sorgte Kyrus dafür, dass sich das Volk wieder mehr an Gott und seine Zusage erinnerten.

Kyrus, der König sorgte so auch dafür, dass das Volk Gott wieder geben konnte, was Gott gehört.

Gleichzeitig war klar, dass Steuern und Abgaben an den König zu zahlen seien um Frieden im Land zu behalten.

Liebe Schwestern und Brüder,

wenn ich dann das Evangelium höre, dann wird mir klar, dass Gott nicht einfach zu einem Umsturz aufruft und mit einem Gewaltstreich alles neu macht.

Gott ist überall und kann jedem zu seinem Werkzeug machen. Selbst die Obrigkeit, die mir nicht passt, ist Teil von Gottes Welt.

Wenn wir hören, „Gebt dem Kaiser was dem Kaiser gehört“, dann bedeutet das für mich nicht, das wir in unserer Demokratie, damit alle eigene Meinung und jede Kritik aufgeben sollen. Vielmehr ist damit gemeint, sorgt dafür, dass Euer Staat funktionieren kann und bringt Euch ein, ihn so zu gestalten, dass jeder und jede frei leben kann.

„Gebt Gott was Gott gehört“, ist dann da auch schon ein bisschen mit drin – da geht es dann nämlich schon um die Grundrechte und die Freiheit für alle und nicht nur für eine Gruppe oder einige Wenige.

Und alles andere, unsere Talente und Fähigkeiten unsere Kraft und unser Leben geben wir in Gottes Hand. Er wird uns helfen unser Leben zu gestalten und in seinem Sinn zu nutzen.

Gebet     (Ignatius von Loyola)

Nimm, Herr, und empfange
Meine ganze Freiheit, mein Gedächtnis,
meinen Verstand und meinen ganzen Willen,
all mein Haben und Besitzen.
Du hast es mir gegeben; dir Herr, gebe ich es zurück.
Alles ist dein, verfüge nach deinem ganzen Willen.
Gib mir deine Liebe und Gnade,
denn diese genügt mir.
Amen.

Ralf Wellbrock