Impuls zum 3. Sonntag im Jahreskreis


Aus dem heiligen Evangelium nach Lukas
                                                                                    Lk 1,1-4; 4,14-21

1,1 Schon viele haben es unternommen, eine Erzählung über die Ereignisse abzufassen, die sich unter uns erfüllt haben.
2 Dabei hielten sie sich an die Überlieferung derer, die von Anfang an Augenzeugen und Diener des Wortes waren.
3 Nun habe auch ich mich entschlossen, nachdem ich allem von Beginn an sorgfältig nachgegangen bin, es für dich, hochverehrter Theóphilus, der Reihe nach aufzuschreiben.
4 So kannst du dich von der Zuverlässigkeit der Lehre überzeugen, in der du unterwiesen wurdest.
4,14 In jener Zeit kehrte Jesus, erfüllt von der Kraft des Geistes, nach Galiläa zurück. Und die Kunde von ihm verbreitete sich in der ganzen Gegend.
15 Er lehrte in den Synagogen und wurde von allen gepriesen.
16 So kam er auch nach Nazaret, wo er aufgewachsen war, und ging, wie gewohnt, am Sabbat in die Synagoge. Als er aufstand, um vorzulesen,
17 reichte man ihm die Buchrolle des Propheten Jesája. Er öffnete sie und fand die Stelle, wo geschrieben steht:
18 Der Geist des Herrn ruht auf mir; denn er hat mich gesalbt. Er hat mich gesandt, damit ich den Armen eine frohe Botschaft bringe; damit ich den Gefangenen die Entlassung verkünde und den Blinden das Augenlicht; damit ich die Zerschlagenen in Freiheit setze
19 und ein Gnadenjahr des Herrn ausrufe.
20 Dann schloss er die Buchrolle, gab sie dem Synagogendiener und setzte sich. Die Augen aller in der Synagoge waren auf ihn gerichtet.
21 Da begann er, ihnen darzulegen: Heute hat sich das Schriftwort, das ihr eben gehört habt, erfüllt.
Evangelium unseres Herrn Jesus Christus

Gedanken

Liebe Schwestern und Brüder,

die Statistik sagt, dass wir im Jahr 2020 83,2 Millionen Einwohner im Lande waren. Aber wie vielen wird abgesprochen, dass sie hierhergehören? Und sind die, die hier sind, alle freiwillig hier?
Und dann gibt es diejenigen die in Deutschland leben, und dem Land, in dem sie in Sicherheit und Freiheit leben, die Legitimität absprechen und sagen, sie erkennen die Bundesrepublik nicht an – sogenannte Reichsbürger oder manche, die sich auf eigenem Grund einen eigenen Staat gründen.
Und dann sind da die, die dazugehören und auch alles nutzen wollen, aber denen die Regelungen zu eng sind und die für vermeintliche Freiheit auf die Straße gehen. Sie mögen sich fragen, wie ich von dem Brief an die Korinther darauf komme.

Paulus hat wohl gemerkt, dass in der Gemeinde, die er gegründet hat, viele verschiedene Strömungen sind. Ich stelle mir vor, dass sich in dieser Gemeinde Griechen und Juden getroffen haben, aus reichen Häusern aber genauso Menschen wie aus einfachen Haushalten, damit hängt dann auch zusammen, dass es gebildete und einfache Menschen gegeben hat. Sie alle waren die Gemeinde in Korinth – der eine Leib. Und zu diesem einen Leib gehört jeder einzelne, bringt jeder und jede einzelne etwas ein und macht diesen Leib lebendig. Und Paulus fordert sie auf zusammenzuwirken. Nur gemeinsam können sie etwas verändern, nur gemeinsam sind sie überlebensfähig, nur gemeinsam können sie das Leben, was Jesus lehrt: Gottes Liebe und Nächstenliebe.

Und unsere Gesellschaft ist doch gerade genauso. Die 83 Millionen Einwohner sind nicht aus einem Guss. Jeder ist einzigartig und Teil der Gesellschaft.
Das ist das, was mit Spaltung gemeint ist. Wir versuchen nicht gemeinsam für ein Ziel zu kämpfen. Das Ziel könnte heißen, die Pandemie zu besiegen, aber wir bekämpfen uns gerade selbst. Das Ziel könnte heißen, die Schöpfung zu bewahren und zu pflegen, aber dafür ist gar keine Zeit, weil wir um so vieles diskutieren, wie zum Beispiel Einschränkungen, weil wir nicht in Urlaub fahren dürfen oder wir Masken tragen müssen.

Liebe Schwestern und Brüder,

unserem Land tut das nicht gut und es wird Zeit, dass wir umdenken und tatsächlich miteinander reden und einander nicht nur anschreien ohne zuzuhören. Ich weiß aber auch, dass es Menschen gibt, die nicht mehr reden können oder die gar nicht zuhören wollen. Aber es ist einfach jetzt nur darauf zu schauen.

In unserer Kirche ist es nicht anders. Wir haben am Donnerstag die Veröffentlichung der neuesten Studie aus München erleben müssen und wieder erfahren, dass viele Versäumnisse und Verfehlungen offenkundig gemacht wurden.
Es scheint mir, so als ob auch da Menschen so gehandelt haben, als ob eine Versetzung nicht die ganze Gemeinde, das ganze Bistum, die ganze Kirche betreffen könnte. Es ist aus der Geschichte zu erkennen, dass manche sich nicht als Teil einer lebendigen Gemeinschaft gesehen haben, oder besser wussten, was zu tun ist, als alle anderen.
Das können wir mit ganz vielen Dingen erklären und damit wieder Ausflüchte schaffen, die doch nicht helfen.
Es ist Unrecht geschehen und das gilt es für die heutige Zeit und die Zukunft auszuschließen. Wir müssen uns dem stellen, was unbequem ist und müssen darüber reden und nicht einander wieder gegenseitig nur beschuldigen oder Vorwürfe oder auch Ausflüchte machen.

Die Kirche, die Leib Christi auf Erden ist, steht in großer Gefahr, weil die verschiedensten Glieder an ihr sich als die Wichtigsten erkennen.
Die Diskussionen die es seit langem über Ämter und Dienste, über Strukturen und Synodalität gibt, zerreiben uns.
Der Synodale Prozess der deutschen Kirche ist ein Ort, der nicht nur für Gespräche und Miteinander gut ist, sondern auch für die Erarbeitung von Lösungen, die dann auch umgesetzt werden müssen.
Doch immer wieder gibt es Amtsträger, aber auch Gruppierungen, die schon vor den nächsten Treffen ihr Bedauern über das Scheitern oder die Verweigerung oder die Zweifel anmelden. Mich macht das mürbe.
Und wenn ich dann das Evangelium heute höre, wo Jesus mit schlichten Worten seinen Auftrag beschreibt:
„Der Geist des Herrn ruht auf mir, denn er hat mich gesalbt. Er hat mich gesandt, damit ich den Armen eine Frohe Botschaft bringe.“
Dann frage ich mich, welche frohe Botschaft senden wir als Kirche, senden wir als Gesellschaft aus?
Es geht oft ums Recht oder Macht haben, es geht nur um den Wunsch nichts zu verlieren. Es geht um Finanzen und Marktanteile.
Müssen wir, die wir Kirche sind, nicht damit anfangen, wieder etwas anderes zu verkünden?

Jesus ist nicht gekommen, damit Strukturen erhalten werden oder es um irgendetwas geht.
Jesus ist gekommen, für Dich und mich.
Gott ist einer, der Dich und mich braucht, als seine Hände, als seine Füße, als seine Zunge und seine Augen.
Gott will die Welt verändern, durch dich und mich.

Jeder von uns ist Teil dieses Landes und Teil dieser Kirche und wenn wir zusammenarbeiten, kommt das allen zugute.
Bitten wir, dass Gott uns helfe, nicht egoistisch auf Enttäuschungen und Dinge zu reagieren, die uns nicht behagen, sondern miteinander auf dem Weg zu bleiben. Wir alle sind Kirche, wir alle ein Leib in Christus. Amen.

Gebet

Allmächtiger, ewiger Gott,
lenke unser Tun nach deinem Willen
und gib,
dass wir im Namen deines geliebten Sohnes
reich werden an guten Werken.
Darum bitten wir durch ihn, Jesus Christus, deinen Sohn,
unseren Herrn und Gott, der in der Einheit des
Heiligen Geistes mit dir lebt und wirkt in alle Ewigkeit.
Amen.

Ralf Wellbrock