Impuls zum 30. Sonntag im Jahreskreis - 25.10.2020


Aus dem heiligen Evangelium nach Matthäus.                                               Mt 22,34-40

In jener Zeit,
34 als die Pharisäer hörten, dass Jesus die Sadduzäer zum Schweigen gebracht hatte, kamen sie am selben Ort zusammen.
35 Einer von ihnen, ein Gesetzeslehrer, wollte ihn versuchen und fragte ihn: Meister,
36 welches Gebot im Gesetz ist das wichtigste?
37 Er antwortete ihm: Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele und mit deinem ganzen Denken.
38 Das ist das wichtigste und erste Gebot.
39 Ebenso wichtig ist das zweite: Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst.
40An diesen beiden Geboten hängt das ganze Gesetz und die Propheten.

Gedanken:

Liebe Schwestern und Brüder, das Motto des Weltmissionssonntag ist: „Selig, die Frieden stiften.“

Und derjenige der im Evangelium die Frage an Jesus stellt, hat einen andren Antrieb als Frieden zu stiften.

Er will Jesus eine Falle stellen – ihn versuchen, und so beweisen, dass Jesus keineswegs einer ist, der den Weg Gottes lehrt.

Jesus soll durch seine Antwort zeigen, dass es ihm um anderes als um ein Leben im Sinne und den Geboten Gottes.

Das gelingt dem Versucher nicht, vielmehr fordert Jesus diejenigen heraus, die ihn versuchen.

Jesus gibt nämlich die Grundlage vor, von dem alle Gebote und Regeln abhängen.

Er sagt: Du sollst den Herrn lieben und du sollst den Nächsten lieben, wie dich selbst, daran hängen alle Gesetze und alle Lehren der Propheten.

Was hat das aber nun noch mehr mit dem Motto der Weltmission zu tun: „Selig, die Frieden stiften“?

Wer Frieden stiften will, muss der Gott und den Nächsten lieben oder gar sich selbst?

Ich denke, die Antwort muss JA lauten. Wer wirklich Frieden stiftet, der kann das nicht aus reinem Egoismus tun, nach dem Motto: Hauptsache, ich habe meine Ruhe.

Wer Frieden stiften will, der muss zunächst einmal wissen, was es ist, dass Unfrieden bringt.

Kann es in der eigenen Haltung zu einem Thema liegen, dass in der Öffentlichkeit gerade ganz breit und anders zu Tage liegt?

Ich schaue da auf die Postwurfsendung, die am Freitagmorgen von der Querdenkerbewegung bei mir im Postkasten lag. In dem Aufruf wird von Impflicht gesprochen, die ich so nie bemerkt habe. Ich habe noch nie von einem Arzt gehört, ich müsse mich impfen lassen. Manche Länder schreiben Impfungen vor, bevor Menschen verreisen, aber im Grund kann jeder sagen, was er an Impfungen will oder nicht.

Und dann lag dabei ein Aufruf zur Demonstration, weil wir unseren Kindern durch die Vorschrift der Atemmasken alle Freiheiten entziehen würden.

Das sind Meinungen die ich nicht teile, aber deswegen müssen diejenigen die diese Meinung haben, nicht schlechtere Menschen sein.

Ich muss sie als selbständige Menschen akzeptieren und kann sie nicht einfach niederschreien oder vernichten, weil ich ihre Ansichten gar nicht teile.

Gleichzeitig fordere ich von ihnen die gleiche Akzeptanz und die Bereitschaft sich darauf einzulassen, dass ich das Gegenteil fordere und lebe, ohne niedergeschrien zu werden.

Unfrieden kann auch darin begründet liegen, dass ich meinen eigenen Vorteil suche und auf Kosten meiner Mitmenschen lebe.

Und Unfriede kann einfach auch dadurch entstehen, dass ich auf den Werten und den Glauben anderer herumtrampele und ihren Glauben, ihren Gott kleinrede.

Gott lehrt uns in Jesus Christus, dass jeder Mensch wertvoll ist, und jeder Mensch ein Recht auf Leben hat und nicht nur auf ein hinvegetieren.

In diesen Tagen gab es einen Bericht aus Peru, das gerade ganz stark unter Corona leidet. Die Bewohnerin einer Favela – eines Armenviertels in Lima, berichtete davon, dass selbst wenn es mal Impfungen gäbe, sie die nie bekommen würden. Alles bekämen die Reichen und die, die wichtig sind. Bei ihnen käme nie etwas an, nichts, weil die Menschen dort keinen Wert haben und ihre eigene Tochter dann sogar noch behindert.

Liebe Schwestern und Brüder,

„Selig, die Frieden stiften“, so selig gepriesen werden kann nur der und die, die versteht den Menschen anzunehmen und ihm seine Würde, seinen Wert und seine Fähigkeiten nicht abzusprechen. Jesus hat uns das reichlich gezeigt.

Und gemäß dem Paulusbrief von dem wir heute gehört haben, würde ich sagen, Frieden stiften und eine frohe Botschaft bringen kann derjenige, der sich nichts auf seinen Stand, seine Fähigkeiten, sein Ansehen einbildet.

Vielmehr muss jeder durch seine Handeln und Reden überzeugen

Wenn ich auf die Lesung aus dem Paulusbrief schaue, dann lese ich darin, dass Paulus beispielsweise in dieser Weise aufgetreten ist – um die Herzen der Menschen zu gewinnen, wie er schreibt.

Liebe Schwestern und Brüder,

wenn wir in die Welt schauen, dann gibt es immer noch Menschen, die als primitive Völker angesehen werden – wie zum Beispiel Indios im Amazonas-Urwald, die sich bemühen ihre alte Kultur zu wahren. Wir schauen auf, wie es so schön heißt „unterentwickelte Nationen“ und wir meinen manchmal nur einen wirtschaftlichen Unterschied, manches Mal klingt es aber auch so, als sei die Entwicklung nicht nur wirtschaftlich zu sehen. Und gefühlt denken alle, dass dort Mission geschehen muss.

Wir können aber nur dann in der Welt unseren Glauben überzeugend rüberbringen, wenn wir keine Unterschiede mehr machen zwischen Geschlecht, Rasse, Hautfarbe, Schulbildung, Sexualität und allen anderen Unterscheidungsmerkmalen, hier bei uns und überall. Wir können nur Frieden stiften, wenn wir unseren Auftrag – unsere Mission verstehen, die Welt in Gottes Sinn zu verwandeln. Sie nicht zu vernichten, sondern zu bewahren und zu teilen, was uns geschenkt wird.

Amen.

Gebet:

Selig, die Frieden stiften

SELIG, die in Zeiten der Not zu ihrem Ursprung finden, die im Kreuz den Baum des Lebens erkennen, die Christus erfahren als Alpha und Omega. Sie werden überwinden, was trennt.

SELIG, die in Zeiten der Not Solidarität leben, die die Masken der Einsamkeit abstreifen, die in Gemeinschaft über sich selbst hinauswachsen. Sie werden die Welt erneuern.

SELIG, die in Zeiten der Not den Horizont offen halten, die Türen der Hoffnung auftun, die den Menschen Leben, Licht und Zuversicht bringen. Sie werden Frieden stiften.

Gebet: Katharina Bosl von Papp
Gedanken: Ralf Wellbrock