Impuls zum 5. Sonntag der Osterzeit - 02.05.2021


Aus dem heiligen Evangelium nach Johannes.                                                                                                     Joh 15,1-8

In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern:
1 Ich bin der wahre Weinstock und mein Vater ist der Winzer.
2 Jede Rebe an mir, die keine Frucht bringt, schneidet er ab und jede Rebe, die Frucht bringt, reinigt er, damit sie mehr Frucht bringt.
3 Ihr seid schon rein kraft des Wortes, das ich zu euch gesagt habe.
4 Bleibt in mir und ich bleibe in euch. Wie die Rebe aus sich keine Frucht bringen kann, sondern nur, wenn sie am Weinstock bleibt, so auch ihr, wenn ihr nicht in mir bleibt.
5 Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und in wem ich bleibe, der bringt reiche Frucht; denn getrennt von mir könnt ihr nichts vollbringen.
6 Wer nicht in mir bleibt, wird wie die Rebe weggeworfen und er verdorrt. Man sammelt die Reben, wirft sie ins Feuer und sie verbrennen.
7 Wenn ihr in mir bleibt und meine Worte in euch bleiben, dann bittet um alles, was ihr wollt: Ihr werdet es erhalten.
8 Mein Vater wird dadurch verherrlicht, dass ihr reiche Frucht bringt und meine Jünger werdet.

Evangelium unseres Herrn Jesus Christus

Gedanken

Liebe Schwestern und Brüder,

in der jetzigen Situation schauen wir, ich denke tatsächlich wir alle, immer mal wieder auf andere und sehen ganz oft Leute die sich nicht richtig verhalten. Da fahren 4 Personen zusammen mit Fahrrad, das sind bestimmt mehr als 2 Haushalte, die da unterwegs sind.

Beim Nachbarn ist Geburtstag und ach, guck mal an, da sind doch alle Kinder oder wieso sind da so viele Autos? Wieso gehen diese 2 Personen mit nur einem Einkaufswagen in den Supermarkt?

Und wir wissen, dass es doch falsch ist. So werden die Zahlen nicht kleiner.

Bei mir stehen aber plötzlich auch 2 Personen vor der Tür, schicke ich die weg? Ich bin doch froh, diese Personen mal wieder zu treffen.

Und ich gehe in die Tankstelle und hab die Maske unterm Kinn oder am Ohr, aber nicht da, wo sie hingehört: Das kann doch mal passieren.

Oder wie es letzte Woche bei mir war: Ich gehe in den Supermarkt mit einem Einkaufswagen aber wir waren zu zweit. Am Eingang stand nichts davon, aber an der zweiten Eingangstür schon. Ich hab’s nicht gesehen. Das kann doch mal passieren.

Plötzlich bin ich der „Verbrecher“, derjenige der sich nicht an Regeln hält, und alle andern schauen mich missbilligend an.

Da kommt genau das heraus was die Lesung aus dem ersten Johannesbrief sagen will. Es ist eine schmerzhafte Wahrheit, die ich hier ein bisschen wieder erkenne:

Wir wollen nicht mit Wort und Zunge lieben, sondern in Tat und Wahrheit.

Wie leicht ist es zu sagen: Ich bin deiner Meinung und dabei zu verheimlichen, dass man es anders sieht. Und wie schwer ist es, seiner Meinung treu zu bleiben und nicht nur JA oder NEIN zu sagen um nicht aufzufallen.

Es ist oftmals viel leichter jemandem nach dem Mund zu reden.

Die Lesung fordert von uns, nicht zu reden und ich schließe hier ein: nicht nur zu urteilen, sondern tatsächlich zu handeln.

Wenn ich bei jemandem etwas sehe, was nicht richtig ist, bin ich aufgefordert, das mit sachlichem Ton und ohne Aggression vorzubringen.

Wenn mich jemand auf meinen Fehler hinweist, gilt es, das zu prüfen und wenn es berechtigt ist, abzustellen ohne einen Krieg anzuzetteln.

Um gut zu Leben braucht es eben nicht nur die richtigen Worte, es braucht vielmehr die richtigen Taten. Unser Handeln gibt mindestens genauso Zeugnis von unserem Glauben, wie es so mancher schlaue Vortrag zu tun scheint.

Liebe Schwestern und Brüder,

Gott ist größer als unser Herz und er verurteilt uns nicht. Wenn er uns nicht verurteilt, sollen wir genauso handeln. Es gilt in der Liebe Gottes zu bleiben. Auch das ist mehr ein Tun, als ein Reden.

Das Evangelium drückt dies mit den Worten aus: Wer in mir bleibt, und in wem ich bleibe, der bringt reiche Frucht.

Was ist diese Frucht?

Ich denke, es ist das Leben in der Freiheit.
Wenn wir uns jetzt daran halten, den Nächsten zu lieben, und die Gebote zu halten, dann haben wir alle – jeder Christ, eine große Freiheit. Wir achten einander, wir verurteilen nicht, wir versuchen Diener des Nächsten zu sein.

Wer keine Angst vor dem Nächsten hat, wer keine Angst um seine Zukunft haben muss, weil alle aufeinander achten, der ist freier. Und diese Freiheit findet ihre Vollendung im Leben in Gottes Reich.

Liebe Schwestern und Brüder,

Liebe zu Gott, Liebe zum Nächsten, Liebe zu seinen Feinden und zur Schöpfung will nicht nur ausgesprochen werden. Diese Liebe muss gelebt werden. Lasst uns also in Tat und Wahrheit leben und lieben.

Amen.

Gebet

Gott, unser Vater, du hast uns durch deinen Sohn erlöst und als deine geliebten Kinder angenommen. Sieh voll Güte auf alle, die an Christus glauben, und schenke ihnen die wahre Freiheit und das ewige Erbe. Darum bitten wir durch Jesus Christus, deinen Sohn, unseren Herrn und Gott, der in der Einheit des Heiligen Geistes mit dir lebt und liebt in alle Ewigkeit.

Amen.

Ralf Wellbrock, Pfr.