Impuls zum Dreifaltigkeitssonntag - 30.05.2021


Bild von Daniel Wanke auf

Lesung aus dem Brief des Apostels Paulus an die Gemeinde in Rom.                                                    
                                                                                         Röm 8,14-17

Schwestern und Brüder!
14 Alle, die sich vom Geist Gottes leiten lassen, sind Kinder Gottes.
15 Denn ihr habt nicht einen Geist der Knechtschaft empfangen, sodass ihr immer noch Furcht haben müsstet, sondern ihr habt den Geist der Kindschaft empfangen, in dem wir rufen: Abba, Vater!
16 Der Geist selber bezeugt unserem Geist, dass wir Kinder Gottes sind.
17 Sind wir aber Kinder, dann auch Erben; Erben Gottes und Miterben Christi, wenn wir mit ihm leiden, um mit ihm auch verherrlicht zu werden.

Wort des lebendigen Gottes

Aus dem heiligen Evangelium nach Matthäus.                                                                                          Mt 28, 16-20

In jener Zeit
16 gingen die elf Jünger nach Galiläa auf den Berg, den Jesus ihnen genannt hatte.
17 Und als sie Jesus sahen, fielen sie vor ihm nieder, einige aber hatten Zweifel. 18 Da trat Jesus auf sie zu und sagte zu ihnen: Mir ist alle Vollmacht gegeben im Himmel und auf der Erde.
19 Darum geht und macht alle Völker zu meinen Jüngern; tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes
20 und lehrt sie, alles zu befolgen, was ich euch geboten habe. Und siehe, ich bin mit euch alle Tage bis zum Ende der Welt.

Evangelium unseres Herrn Jesus Christus

Gedanken

Liebe Schwestern und Brüder,

es ist interessant, dass wir den einen Gott feiern und ihn als die Heilige Dreifaltigkeit bezeichnen.
Tatsächlich deutet diese Dreifaltigkeit doch gar nicht auf den einen Gott hin. Es klingt für mich seltsam, dass Gott gefaltet ist. Der eine in den Drei Personen.
Der Begriff Dreieinigkeit, den wir im Deutschen nicht verwenden, ist da doch um einiges klarer.
Die drei sind eins – der eine Gott in den drei Personen von Vater, Sohn und Heiliger Geist.
Die drei sind eben nicht drei Falten in einem Stück Zeit, Menschenleben oder Menschheitsgeschichte, die je nachdem wo man schaut, anders liegt.
Unser Gott ist der eine Gott.
Der eine Gott der die Welt gemacht hat. Von ihm hören wir in der ersten Lesung.
Der Vater ist, so könnte man plump sagen: der Erbauer und Macher allen Lebens. Doch er war nicht und wird nie allein sein, denn wir hören schon in der Schöpfungsgeschichte im Buch Genesis im zweiten Vers: Der Geist schwebte über dem Wasser.
Gott war von Anfang an der dreieinige Gott, auch wenn in der Bibel der Sohn scheinbar erst später auftritt.
Gott Vater, Gott Geist und auch Gott Sohn, eben der eine Gott, hat die Welt gemacht.

In der ersten Lesung die wir gehört haben, spricht Mose nicht direkt von Jesus, aber wenn ich den Satz lese: Oder hat je ein Gott es ebenso versucht, zu einer Nation zu kommen und sie sich mitten aus einer anderen herauszuholen unter Prüfungen, unter Zeichen, Wundern, mit starker Hand und hoch erhobenem Arm?, kommt mir Jesus in den Sinn.
Natürlich meint Mose zuerst den Gott der das Volk aus Ägypten befreit und ins gelobte Land geführt hat.
Aber klingt dieser Satz nicht auch nach dem was Gott Sohn, für uns getan hat?
Er hat das Volk Gottes neu in der Nachfolge vereint. Er hat uns mit seinem Leib und Blut zu einem Volk zusammen gerufen.
Christus Jesus hat Wunder getan, er hat Prüfungen auf sich genommen und Zeichen gesetzt, nur damit wir verstehen, dass Gott selbst es ist, der als Menschensohn auf Erden war.
Und dieser Jesus hat seinen Jüngern, hat uns Gott Heiliger Geist zugesagt und geschenkt.
Davon erzählt uns die zweite Lesung, an die Gemeinde in Rom. Alle die Gottes Geist in sich wirken lassen, sind Kinder Gottes.
Und dieser Gott befreit.
Ja dieser Geist befreit so sehr, dass die Jünger nach dem Pfingstfest ihre Zweifel aufgeben, die immer wieder da waren. Sie lassen sich in die Welt senden, wie es das Evangelium heute nicht nur ihnen, sondern auch uns aufträgt.
Der Geist Gottes befreit uns zu einem Leben in der Sicherheit, dass – egal wo wir sind – Gott bei uns und mit uns ist.

Liebe Schwestern und Brüder,

wenn wir den einen Gott als den dreieinigen Gott feiern, dann hat das für mich etwas ganz bestärkendes.
Gott der für mich die Quelle des Lebens und aller Liebe ist, ist dreieinig. Das heißt für mich: Gott ist Beziehung in sich selbst, eine Beziehung die sich weitergeben will.
Gott hat seine Liebe nie für sich behalten wollen, sondern Dich und mich, ja die ganze Welt erschaffen, um uns zu lieben. Und ich denke auch in der Hoffnung, dass wir ihn erkennen und lieben.
Und dieser Gott der Beziehung in sich und will dass auch wir Beziehung haben und pflegen.
Beziehung mit ihm – ihn genauso lieben wie er uns liebt – und Beziehung untereinander.

Darum ist das Liebesgebot eben das wichtigste:
Liebe Gott, diesen Gott der dich erschaffen, befreit hat und allezeit begleitet, weil er dich liebt.
Liebe den Nächsten, weil Gott auch den anderen Menschen so liebt und weil du nur als Mensch der Beziehung leben kannst und sollst.
Liebe dich, lerne dich wertzuschätzen, weil Gott dich wertschätzt und dir Würde und Leben geschenkt hat.

Liebe Schwestern und Brüder,
unser dreieiniger Gott wird nie ganz zu erklären sein und das ist gut so. Denn so bleiben wir immer auf der Suche nach seinem Geheimnis, bleiben immer seine Geschöpfe. Aber hoffentlich bleiben wir nicht Wissenschaftler sondern glaubende und vertrauende und ihn liebende Kinder seiner Gnade.

Amen.

Gebet

Herr, himmlischer Vater, du hast dein Wort und deinen Geist in die Welt gesandt, um das Geheimnis des göttlichen Lebens zu offenbaren. Gib, dass wir im wahren Glauben die Größe der göttlichen Dreifaltigkeit bekennen und die Einheit der drei Personen in ihrem machtvollen Wirken verehren. Darum bitten wir durch Jesus Christus, deinen Sohn, unseren Herrn und Gott, der in der Einheit des Heiligen Geistes, mit dir lebt und liebt in alle Ewigkeit.

Amen.

Ralf Wellbrock