Impuls zum Fest der Taufe des Herrn


Wim Johannesma

Aus dem heiligen Evangelium nach Lukas                                                                             Lk 3,15-16.21-22

In jener Zeit
15 war das Volk voll Erwartung und alle überlegten im Herzen, ob Johannes nicht vielleicht selbst der Christus sei.
16 Doch Johannes gab ihnen allen zur Antwort: Ich taufe euch mit Wasser. Es kommt aber einer, der stärker ist als ich, und ich bin es nicht wert, ihm die Riemen der Sandalen zu lösen. Er wird euch mit dem Heiligen Geist und mit Feuer taufen.
21 Es geschah aber, dass sich zusammen mit dem ganzen Volk auch Jesus taufen ließ. Und während er betete, öffnete sich der Himmel
22 und der Heilige Geist kam sichtbar in Gestalt einer Taube auf ihn herab und eine Stimme aus dem Himmel sprach: Du bist mein geliebter Sohn, an dir habe ich Wohlgefallen gefunden.
Evangelium unseres Herrn Jesus Christus

Gedanken

Wie ging es ihnen am Freitag? Da war doch die neueste Auflage der Konferenz der Ministerpräsidenten mit der Regierung über die nächsten Schritte bei der Pandemiebekämpfung. Haben Sie was Großes und Hilfreiches erwartet?

Wie ging es ihnen am letzten Tag des Jahres 2021, waren Sie da voller Erwartung oder zumindest voller Freude?
Und wie ging es Ihnen am Weihnachtsfest? Waren Sie da wenigstens voller Erwartung?

Liebe Schwestern und Brüder,

ich denke, wir aufgeklärten Menschen haben ein Problem – wir erwarten nicht mehr sehr viel.

Und mit diesem Wort Erwartung verbinde ich etwas Positives. Es geht für mich bei diesem Voll Erwartung sein nicht um die Erfüllung von Ansprüchen. Es geht für mich darum, dass wir uns nach etwas sehnen.

Sicherlich Sie werden jetzt denken: Ich sehne mich nach einem Alltag, wie vor 2020. Sie wünschen sich Feste, die man feiern kann, ohne auf Abstände oder Impfstatus zu schauen. Sie hoffen auf normale Urlaubszeiten ohne Tests und Maskenpflichten.

Sie träumen davon, dass alles wieder so ist, wie wir es so schön in der Erinnerung tragen. Aber ich denke, das ist hier nicht gemeint.

Das Volk ist voller Erwartung.

Die Situation im Land damals ist nicht gut. Die Römer sind die Besatzer und haben das letzte Wort. Das Volk fühlt sich mit seinem eigenen König nicht wohl, der nur eine Marionette aus Rom ist. Es ist hin- und hergerissen zwischen der Macht des Kaisers und der Macht des Hohen Rates, der die Antworten im Glauben zu geben versucht.

Das Volk ist voller Erwartung, das heißt für mich – es träumt von einer anderen Welt, von einem Messias der sie befreit und ihnen mehr als nur ein besseres Leben auf Erden verspricht.

Deshalb haben Propheten und selbsternannte Wundertäter Hochkonjunktur. Sie könnten ja diejenigen sein, die das Heil bringen. Der eine davon könnte doch der Messias sein, der die Welt verändert.

Johannes der Täufer wird aufgrund seiner kritischen Art mit Welt- und Glaubensfürsten umzugehen, als ein solcher Hoffnungsbringer, ja vielleicht Messias gesehen.

Heute hören wir davon, dass er sich seiner Rolle als Wegbereiter immer noch sehr bewusst ist: „Es kommt einer, der stärker ist, als ich und ich bin es nicht wert, ihm die Riemen der Sandalen zu lösen.“

Johannes verweist darauf, dass es diesen Messias schon in der Welt gibt, aber dass er es nicht ist. Und tatsächlich kam dieser Jesus, den Johannes angekündigt hat. Jesus lässt sich von Johannes taufen und Gott bestätigt: „Du bist mein geliebter Sohn, an dir habe ich Wohlgefallen gefunden.“

Liebe Schwestern und Brüder,

wir selbst sind getauft und auch zu uns wurde gesagt: Du bist mein geliebtes Kind.

Und als seine Kinder müssen wir so leben, dass man uns das ansieht. „Aaah – Du bist Christ. Du sorgst dich um die Menschen und um die Schöpfung. Du bist Christ, du hältst die Gebote und liebst Gott und den Nächsten wie dich selbst.“

Kinder sind aber nicht nur Pflichterfüller. Kinder sind auch staunende und hoffende Wesen. Unsere Kinder sehen Dinge, die wir Erwachsenen nicht mehr wahrnehmen. Sie achten auf Details und spüren die Stimmung der sie umgebenden Menschen oftmals besser als wir.

Wenn Jesus im Evangelium sagt: Werdet wie die Kinder, denn ihrer ist das Himmelreich. Dann geht es genau darum. Wir sollen wieder empfindsamer werden, gegenüber den Menschen in der Welt.

Wir sollen staunender und dankbarer für die vielen kleinen Dinge sein, die uns widerfahren.

Und wir dürfen voller Erwartung sein. Jeder neue Tag bringt neue Chancen und damit auch neue Möglichkeiten unserem Gott zu begegnen. Jedes neue Jahr bietet uns an, andere Wege zu gehen und die Welt noch einmal anders zu entdecken – wie eben ein Kind.

Liebe Schwestern und Brüder,

wir dürfen voller Erwartung sein. Es darf nicht fordernd sein nach dem Motto: Bete ich, dann gibst du mir. Die Lesung spricht von der Gnade Gottes die gekommen ist uns Menschen zu retten.

Unsere Erwartung soll sein, wie die der Kinder die staunend über diese Gnade Gottes erkennen, es gibt einen Gott. Und dieser Gott achtet auf uns und gibt Dir und mir, was wir wirklich brauchen. Er gibt uns nicht den Kick wie bei einem Fallschirmsprung, er gibt uns nicht ein Belohnungsbonbon, er gibt uns Sicherheit.

Wir dürfen erwarten, dass er uns immer begleitet und führt, nicht nur in den dunklen Stunden, wo wir nichts Positives sehen und erfahren. Er führt uns auch dann, wenn wir scheinbar selbst das Szepter in der Hand haben.

Lasst uns in diesem Jahr voller Erwartung leben, immer in der Hoffnung, dass Gott uns begleitet und nicht verlässt. Und leben wir auch in der Erwartung, dass er heute zu mir kommt, und dass er wirklich bei mir und in mir wohnen will.

Amen.

Gebet

Allmächtiger, ewiger Gott, bei der Taufe im Jordan kam der Heilige Geist auf unseren Herrn Jesus Christus herab und du hast ihn als deinen geliebten Sohn geoffenbart. Gib, dass auch wir, die aus dem Wasser und dem Heiligen Geist wieder geboren sind, in deinem Wohlgefallen stehen und als deine Kinder aus der Fülle dieses Geistes leben.
Darum bitten wir durch Jesus Christus, deinen Sohn unseren Herrn und Gott,
der in der Einheit des Heiligen Geistes mit Dir lebt und liebt in alle Ewigkeit.
Amen.

Ralf Wellbrock