Impuls zum Fest Taufe des Herrn - 10.01.2021


Petra Kleene

Was bleibt von Weihnachten?

Aber die Frage muss auch erlaubt sein: Was bleibt denn nun eigentlich von Weihnachten, wenn die Deko abgeräumt und dann später auch die Bäume abgeschmückt und entsorgt sind, die Krippen verpackt und weggeräumt sind? Was reicht hinüber von der Festzeit in die übrige Zeit des Jahres?
Ist mit dem Ende der weihnachtlichen Festzeit Weihnachten wieder erledigt und abgehakt bis zum nächsten 25. Dezember? Irgendetwas muss es doch in unserem Leben verändert haben, wenn wir richtig Weihnachten gefeiert haben. Nur: was? Woran kann man erkennen, dass wir von Weihnachten, von der Menschwerdung Gottes, geprägte Menschen sind? Hierzu haben sich auch wieder die Frauen aus dem Bibelcafé Gedanken gemacht und werden sich mit einigen ihrerseits zu diesem Thema hier einmischen:

Was bleibt von der Botschaft von Weihnachten – auch im Hinblick, dass wir heute im Evangelium davon hören, dass Jesus selbst von Johannes im Jordan getauft wird? Was bleibt, wenn wir uns daran erinnern, dass auch wir getaufte Christen sind?
Nein, das Christsein kann man uns nicht einfach äußerlich ansehen. Wir laufen ja nicht mit einem Heiligenschein durch die Gegend, der den Menschen schon von ferne sagt: Schaut mal, da kommt ein Christ, einer, der wie die Hirten und die Könige dem Christkind in der Krippe begegnet ist, der begriffen hat, dass Gott in Jesus Christus Mensch geworden ist. Ja, ansehen kann man uns das nicht so einfach. Genauso wenig wie man uns ansieht, dass wir getaufte Christen sind und damit das Bekenntnis abgelegt haben: Ich glaube an Jesus Christus als den Sohn Gottes. Wenn auch bei unserer Taufe unsere Eltern, unsere Patin und/oder unser Pate den Glauben für uns bekannt haben, so hatten wir doch in unserem Leben seither immer wieder Gelegenheiten, selbst eine Entscheidung für den Glauben zu treffen und diese immer wieder zu erneuern – jede(r) für sich ganz persönlich. Aber auch ganz offiziell, wenn wir daran denken, dass wir noch vor einigen Wochen am 2. Advent mit über 40 Jugendlichen das Sakrament der Firmung gefeiert haben – die Festigung meines Glaubens.
In der Taufe Jesu durch Johannes hat Gott seinem Sohn zugesagt: „Du bist mein geliebter Sohn“ – Eine Meinung aus dem Bibelkreis hierzu war und ich zitiere: (Die Beziehung Gottes zu seinem Sohn wird durch dieses Bekenntnis intensiviert. Jesus versteht die Botschaft. Er lebt das Wort Gottes und strahlt es aus. )

Auch ein jeder von uns hat in der eigenen Taufe die Zusage „Du bist mein geliebtes Kind!“ von Gott bekommen. Deshalb dürfen wir uns freuen und uns in unserem Glauben gestärkt fühlen, und davon beleben lassen, jeden Tag danken für Gottes Fürsorge und Liebe.  Gerade in dieser Pandemiezeit tut diese Zusage besonders gut! „Ich bin geliebt“ Das sollte man sich immer wieder zu Herzen nehmen. Und nicht nur ich bin dieses geliebte Kind, sondern auch du, du und du…. Jeder von uns ist selbst verantwortlich, was meine Augen und mein Herz sehen, ob ich die Gegenwart Gottes wahrnehme. Und jeden Tag darf ich trotz meiner Fehler und Versäumnisse neu beginnen. Zitat Ende !

Das Erkennungszeichen „Liebe“

Und so bekommt Jesus – wie auch wir alle – in der Taufe den Heiligen Geist geschenkt - der uns wie eine Art „unsichtbaren Stempel ausgehändigt“ wie eine Eintrittskarte zum Leben geschenkt wird. Und wir haben es nun in der Hand wie wir damit umgehen wollen. Wenn wir Gottes Liebe für uns begreifen, dann können wir gar nicht anders als sie weiterzugeben.

Und diesen unsichtbaren Stempel mit der Zusage „Du bist mein geliebter Sohn/du bist meine geliebte Tochter“. werde ich dann auch durch nichts mehr los.

Menschen begegnen mir und sagen: ich möchte mit dieser Kirche nichts mehr zu tun. Ich bin so gefrustet oder sie haben negative Erfahrungen und Erlebnisse anderer Art gehabt. Und manchmal kann ich es gut nachvollziehen. Doch es muss auch der Hinweis gestattet sein: Ja, austreten kannst du! Du kannst der Kirche den Rücken zuwenden. Aber die Zeichen der Taufe und auch der Firmung und auch die Zusage der Liebe, die wirst du nicht wieder los.

Und diese sind gerade dann not-wendig, wenn ich in Zeiten der Krise stehe. Dann ist es gut, wenn ich meinen Glauben habe, wenn ich ein Gegenüber habe, an den ich mich wenden kann.
Das erlebe ich gerade auch bei den Menschen, die ich in ihrer Krankheit begleite, denen ich als SAPV - als Palliativ Seelsorgerin begegne. Wie gut es tut, dann ein Gebet zu sprechen. Wie gut es tut, dann einen Segen geben zu können. Wie dankbar die Menschen dann sind.

Liebe zu schenken und der Dienst am Nächsten, besonders am Notleidenden sind also besondere Merkmale. Aber sie sind auch die Konsequenz und die Antwort auf die erfahrene Liebe.

Ein Beispiel, auf andere zu zu gehen und Liebe und die Liebe Gottes weiterschenken zu können, das sind für mich die Sternsinger. Auch wenn es in diesem Jahr anders ist, so haben wir unter normalen Bedingungen noch die gute Tradition, dass die Könige in unseren Gemeinden alle Häuser und Wohnungen besuchen, ausnahmslos und so die Botschaft der Geburt Jesu und den Segen des neuen Jahres zu den Menschen bringen. In diesem Jahr leider nur kontaktlos und auch übers Internet.
Und dennoch fehlt auch in diesem Jahr ihre Bitte nicht, für die Kinder in den armen Teilen der Welt zu spenden. Denn die Not ist nicht weniger geworden. Von daher die Bitte: schenken Sie/ schenkt der Segenstüte Beachtung, klebt euch den Segenaufkleber an eure Türen und vergesst auch das Überweisungsformular nicht.

In Wort und in Tat können wir Tag für Tag unsere Liebe beweisen und auch, dass wir die Botschaft von Weihnachten ernst und wichtig nehmen. Vergessen wir nicht Gottes bedingungslose Zusage: Du bist mein geliebter Sohn! Du bist meine geliebte Tochter!

Gegen das Vergessen

Manchmal hat es den Anschein als hätten einige Christen dies im Laufe der Jahre durch verschiedene Umstände vergessen. Das erinnert mich ein wenig an eine Geschichte, die Margarete Kubelka erzählt und in der es darum geht, wie das Kamel zu seinen Höckern kam.

Das Kamel, das die drei Weisen zum Christkind in der Krippe begleitet hat, durfte, genau wie die Könige, dem Kind begegnen. Und wie es dort an der Krippe kniete, da bemerkte es, dass die Weisen, angesteckt vom Glanz des Christkindes, einen strahlenden Heiligenschein über dem Kopf hatten; und auch über dem Haupt des Kamels leuchtete ein Heiligenschein. Das Kamel war sehr beschämt, denn es war ja nur ein einfaches Kamel. Da griff das Christkind nach seinem Heiligenschein, spaltete ihn in der Mitte und legte die beiden Hälften dem Kamel auf den Rücken: „Du sollst immer an diese Begegnung denken!“ So zog das Kamel mit den zwei Höckern aus dem Heiligenschein, der durch die Begegnung mit dem Christkind entzündet worden war, nach Hause. Es wurde sehr alt und hatte viele Nachkommen. Und alle hatten auf dem Rücken diese beiden Höcker. Aber bald wussten sie nicht mehr, woher diese Höcker kamen. Es waren halt nur Kamele. (Nach: Margarete Kubelka, in: Odilo Lechner: Vom Weihnachtsstern, 56 ff).

Bleibende Zusage: Lieblingskind

So sind auch wir eingeladen, uns daran zu erinnern, dass wir in der Taufe nicht nur einen „unsichtbaren Stempel“ bekommen haben.

Vielleicht sind ist auch mit der Taufe ein Heiligenschein geschenkt worden, den wir allerdings gut pflegen sollten. Jesus hat uns in seinem Leben vorgelebt und gezeigt wie er sich das Leben mit und für die Menschen vorstellt.

Wenn wir uns die Liebe der Gotteskindschaft immer wieder bewusst machen und in seiner Nachfolge gehen wollen, dann bin ich sicher, dass wir unseren Auftrag nicht vergessen werden: die Sorge um meinen Nächsten, um mich selbst und für den Frieden. Um es auf einen kurzen Nenner zu bringen.

Dann wird die Botschaft von Weihnachten sicherlich auch in dieses Jahr hineinscheinen.

Petra Kleene