Impuls zum Freitag der 11. Woche im Jahreskreis - 19.06.2020

Im Buch „Aus-Zeit“ von Dominik Frey, das Kurz-Impulse durch das Kirchenjahr enthält, fand ich zum Hochfest am heutigen Tag folgenden Text:

Flohmarkt am Samstagnachmittag. Mir sticht ein kitschiges Jesusportrait ins Auge. Blauer Hintergrund, roter Umhang, gelber Heiligenschein. Jesus zeigt mit verklärtem Blick auf seine Brust, den Mittelpunkt des Bildes: Ein rotes durchbohrtes Herz, aus dem Flammen züngeln. »Purer Kitsch!«, denke ich. Dabei ist dieses Herz-Jesu Motiv schon sehr alt. Es stammt aus dem Mittelalter und nach dem damaligen Menschenbild war das Herz der Sitz der Liebe. Heute hat sich für die Menschen dieses Bild geändert.

1967 führte Prof. Barnard in Kapstadt die erste Herztransplantation durch und spätestens seitdem wissen wir: Das Herz ist ein Organ wie jedes andere. Es hat zwar eine lebenswichtige Funktion, aber das Herz als »Liebes-Organ« – das muss ein Mythos aus vergangener Zeit sein.

Dafür hält sich das Symbol Herz aber doch erstaunlich lange. Denn auch heute noch wird es als Liebeserklärung auf Toiletten gemalt oder mit dem Messer in Parkbänke geritzt. Und auch in der Sprache ist das Herz als »Liebes-Organ« noch lebendig, in Redewendungen wie »mein Herz hängt daran« oder »das Herzblut vergießen«. Den Künstlern im Mittelalter ging es auch nicht um eine anatomische Information. Ihre Bilder von Jesus mit dem Herz offen auf der Brust hatten eine Botschaft. Sie hieß: Das Herz dieses Menschen – das Herz Jesu – schlägt für dich und für mich. Diese Botschaft gilt auch jetzt noch. Und heute, am kirchlichen Herz-Jesu Fest, sollen wir genau daran erinnert werden: Wir Menschen liegen Jesus am Herzen.

Und so hören wir in den Lesungstexten des heutigen Tages aus dem Johannesbrief:

Lesung aus dem ersten Johannesbrief  (1 Joh 4, 7-16)

Geliebte, wir wollen einander lieben; denn die Liebe ist aus Gott und jeder, der liebt, stammt von Gott und erkennt Gott. Wer nicht liebt, hat Gott nicht erkannt; denn Gott ist Liebe. Darin offenbarte sich die Liebe Gottes unter uns, dass Gott seinen einzigen Sohn in die Welt gesandt hat, damit wir durch ihn leben. Darin besteht die Liebe: Nicht dass wir Gott geliebt haben, sondern dass er uns geliebt und seinen Sohn als Sühne für unsere Sünden gesandt hat. Geliebte, wenn Gott uns so geliebt hat, müssen auch wir einander lieben. Niemand hat Gott je geschaut; wenn wir einander lieben, bleibt Gott in uns und seine Liebe ist in uns vollendet. Daran erkennen wir, dass wir in ihm bleiben und er in uns bleibt: Er hat uns von seinem Geist gegeben. Wir haben geschaut und bezeugen, dass der Vater den Sohn gesandt hat als Retter der Welt. Wer bekennt, dass Jesus der Sohn Gottes ist, in dem bleibt Gott und er bleibt in Gott. Wir haben die Liebe, die Gott zu uns hat, erkannt und gläubig angenommen. Gott ist Liebe, und wer in der Liebe bleibt, bleibt in Gott und Gott bleibt in ihm.

Es steht die Aussage: Wir liegen Jesus am Herzen, aber suchen wir am heutigen Festtag auch nach einer Antwort auf die Aussage:

Jesus liegt MIR am Herzen, weil…   !?!?

Und lassen wir uns dabei folgendes Wort mit auf den Weg geben:

Ein Strahl der Liebe des geöffneten Herzen Jesu sein -
Erfüllung und Auftrag zugleich -
Erfüllung, die nach außen strahlt -
Auftrag im Lebensstil der Vergebung und Barmherzigkeit -
Wärme und Licht für diese Welt -
Gelebte Botschaft: So ist Gott.                    (aus Liturgie konkret)