Impuls zum Freitag der 15. Woche im Jahreskreis - 17.07.2020


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Es war schon merkwürdig: Je größer die Verzweiflung unter de Leuten war, desto größer war auch die Hoffnung. Wir hofften eines Tages käme ein Retter. Wir nannten ihn "den Messias". Gott würde ihn schicken.  Nach so langem Warten. Bald würde das Elend ein Ende haben. Es musste ja einmal ein Ende haben!

Denn in was für einer Zeit lebten wir! Das Land - besetzt von den Römern. Sie hatten Bilder ihrer Götter aufgestellt in unserem Tempel. Herodes war das, der sich König der Juden nannte. Dabei kannte er das Gebot genau. Ich bin der Herr, dein Gott, du sollst keine anderen Götter haben neben mir. Herodes wollte seine Macht demonstrieren. Deshalb hat er das getan. Oh, er hat prachtvolle Bauten errichten lassen. Auch den Tempel hat er vergrößert, viel schöner gemacht. Aber von wessen Geld? Die Leute waren am Ende wegen der hohen Abgaben. Viele lebten von der Hand in den Mund! Und dann diese Willkür. Bevor er starb, befahl er seiner Schwester Salome, 15.000 Männer von uns töten zu lassen, damit das Land über seinen Tod weinen sollte. Zum Glück hat sie es nicht getan.

Wie sehr haben wir uns danach gesehnt, was uns von alters her versprochen war: dass der Retter käme. Ein ganz anderer König. Der Heilskönig. Der Gesalbte Gottes. Dann würde das ganze Land sein wie der Garten Eden. Gerechtigkeit würde herrschen. Die Menschen könnten leben ohne Furcht.

Ja, und dann kam dieser Mann aus Nazareth, Jesus. Sohn eines Zimmermanns. Er zog alle in seinen Bann. Konnte er der Messias sein? er war nicht wie ein bedeutender König oder ein Hohepriester. Kann so einer die Welt verwandeln? Kann er das Unrecht, das Leid überwinden?

Und doch: Er hatte etwas Erhabenes an sich. Es lag in seiner Schlichtheit. In der Art, wie er redete. Es lag in dieser bestechend einfachen Botschaft: Die Welt würde eine andere werden, wenn wir zu lieben und zu vergeben lernten. Wenn wir uns keine Sorgen mehr machten, was morgen sein wird. Wenn wir unsere Arme öffneten und Gottes Liebe die Menschen ansteckte. Wenn Vertrauen die Angst ersetzte.

Wir haben es erlebt: Wenn wir zusammen saßen mit ihm an einem Tische. Und mit uns die Verachteten und Ausgestoßenen. Dann war etwas da von Gottes neuer Welt. Dann wussten wir: Nur so wird die Welt neu.

Verwandlung

Tritt ein, mein Gott,
meine Tür steht dir offen.
Ich möchte dich aufnehmen
und das Wort von deiner Liebe
in meinem Hause hören.
Tritt ein, mein Gott,
und mach dein Wort der Liebe
in mir stark.

Quelle:
Ralf Meister (Hg.),
"Fünf Minuten mit Gott.
Denkanstöße für jeden Tag."