Impuls zum Freitag der 24. Woche im Jahreskreis


Bild von Lisa van Beergen auf

Und natürlich hatte der männliche Abt das Sagen auf dem Hügel. Vielleicht auch deswegen hatte Hildegard eines Tages die Vision: Wir ziehen mit den Frauen weg von dort, hinüber nach Bingen, und bauen uns dort ein neues Kloster auf.

Abt Kuno allerdings war von der Idee überhaupt nicht begeistert. Hildegard hatte nämlich schon eine gewisse Berühmtheit erlangt zu der Zeit, und ihr Glanz strahlte auch auf seine Abtei ab. Wäre Hildegard eine gehorsame Tochter der Kirche gewesen – aus ihr wäre wohl nie die heilige Hildegard von Bingen geworden.

Aber Hildegard fügt sich den Nein des Abtes nicht. Und schließlich setzt sie ihre Vision durch. Sie zieht mit ihren Mitschwestern um auf den Hügel bei Bingen. Eine streitbare, starke Frau also war sie. Und so nehme ich mir diese heilige Hildegard gerne zum Vorbild: Ich will bei dem bleiben, wovon ich überzeugt bin, selbst wenn es manchmal Widerstände gibt. Und ich will meinen Träumen und Visionen treu bleiben.

Beate Hirt

„Gott ist ewig, und Ewigkeit ist Feuer, und das ist Gott. Und Gott ist kein verborgenes, kein schweigendes Feuer, sondern ein wirkendes Feuer.“

„Der Heilige Geist ist Leben spendendes Leben,
Beweger des Alls und Wurzel alles geschaffenen Seins.
Er reinigt das All von Unlauterkeit,
er tilgt die Schuld, und er salbt die Wunden.
So ist er leuchtendes Leben, würdig des Lobes,
auferweckend und wieder erweckend das All.“

(Hildegard Bingen)

Gebet

Zwei Augen hast du, o Gott, mir gegeben,
im Dunkeln ein herrliches Licht zu schauen,
zu wählen den Weg, den ich gehen soll.
Lebendiger Gott, ich rufe dich an,
führ´ mich den Weg des Lichts.

Hildegard von Bingen

Wort auf dem Weg

Der Himmel auf Erden ist überall,
wo ein Mensch von Liebe zu Gott,
zu seinen Mitmenschen und zu sich
selbst erfüllt ist.

Hildegard von Bingen

Christa Gerdzen