Impuls zum Hochfest Christus König


Lesung aus der Offenbarung des Johannes.                                                                                                           Offb 1, 5b-8

5b Jesus Christus ist der treue Zeuge, der Erstgeborene der Toten, der Herrscher über die Könige der Erde. Ihm, der uns liebt und uns von unseren Sünden erlöst hat durch sein Blut,
6 der uns zu einem Königreich gemacht hat und zu Priestern vor Gott, seinem Vater: Ihm sei die Herrlichkeit und die Macht in alle Ewigkeit. Amen.
7 Siehe, er kommt mit den Wolken und jedes Auge wird ihn sehen, auch alle, die ihn durchbohrt haben; und alle Völker der Erde werden seinetwegen jammern und klagen. Ja, Amen.
8 Ich bin das Alpha und das Ómega, spricht Gott, der Herr, der ist und der war und der kommt, der Herrscher über die ganze Schöpfung.

Wort des lebendigen Gottes

Aus dem heiligen Evangelium nach Johannes.                                                                                                      Joh 18,33b-37

In jener Zeit
33b fragte Pilatus Jesus: Bist du der König der Juden?
34 Jesus antwortete: Sagst du das von dir aus oder haben es dir andere über mich gesagt?
35 Pilatus entgegnete: Bin ich denn ein Jude? Dein Volk und die Hohepriester haben dich an mich ausgeliefert. Was hast du getan?
36 Jesus antwortete: Mein Königtum ist nicht von dieser Welt. Wenn mein Königtum von dieser Welt wäre, würden meine Leute kämpfen, damit ich den Juden nicht ausgeliefert würde. Nun aber ist mein Königtum nicht von hier.
37 Da sagte Pilatus zu ihm: Also bist du doch ein König? Jesus antwortete: Du sagst es, ich bin ein König. Ich bin dazu geboren und dazu in die Welt gekommen, dass ich für die Wahrheit Zeugnis ablege. Jeder, der aus der Wahrheit ist, hört auf meine Stimme.

Evangelium unseres Herrn Jesus Christus

Gedanken

Liebe Schwestern und Brüder,
der Heilige Paulus sagt im Römerbrief: „Das Reich Gottes ist nicht Essen und Trinken, sondern Gerechtigkeit, Friede und Freude im Heiligen Geist.“

Und wenn ich so auf uns schaue, dann fühle ich, dass wir als Kirche und damit dem irdischen Teil des Reiches Gottes, manchmal weit entfernt sind, von diesem Reich. Gerechtigkeit, Friede und Freude fehlen uns oft, wenn wir auf die Weltkirche schauen. Aber auch wenn jeder von uns, auf sich selbst als Teil dieser Kirche und des Reiches Gottes schaut, ist es mit Gerechtigkeit und Friede schwierig, aber selbst über die Freude diesem König folgen zu können und zu dürfen, ist nicht immer da.

Wir sind, schauen wir auf die Lage der Menschen in den Notstands- und Krisengebieten, manchmal diejenigen die lieber auf Sicherheit setzen und ihren eigenen Wohlstand nicht aufs Spiel setzen will für mehr Freiheit und Gerechtigkeit aller Menschen.

Jeder muss für sich schauen, wie er und sie überlebt, aber natürlich gönnen wir jedem seine Freiheit und sein Glück, aber eben nicht auf meine Kosten, das ist doch oft noch das Denken vieler Menschen.

Und was können wir hier schon gegen die Probleme in der Heimat anderer Menschen tun? Die Regierungen sind stark, die Machtapparate groß und der Einfluss von Kriminalität, Bestechung aber auch Religiöser Strömungen ist so groß, dass es keine Chance zu geben scheint.

Aber am Ende müssen auch solche Länder immer wieder erfahren, dass es eine Macht geben kann, die man nicht mehr beherrscht.

Ich denke dabei an die Vorgänge 1989 als die Menschen auf die Straßen gegangen sind, um für mehr Freiheit in der damaligen DDR einzutreten.

Gegen diese Macht konnten die Herrschenden nicht an, es war die Macht einer starken Gemeinschaft, die gemeinsame Ziele hatte und verstand, dass es so nicht weitergeht.

Mich erinnert das auch an die Bewegung „Fridays for future“, die lautstark daran erinnern, dass es so nicht weitergehen kann.

Solcher Einigkeit kann kein Machthaber auf Dauer etwas entgegensetzen. Sie mögen jetzt an Belarus denken, wo die Demokratiebewegung seit Jahren unterdrückt wird und schon lange gebrochen scheint. Aber, da bin ich mir sicher, auf Dauer kann etwas nicht bestehen, was auf Unrecht aufgebaut ist und nicht von der großen Mehrheit mitgetragen wird.

Liebe Schwestern und Brüder,

das Reich Gottes ist eben nicht von dieser Welt. Das betont Jesus, wenn er sagt: Wäre es von dieser Welt, dann würden seine Leute kämpfen.

Dann wäre das Reich Gottes nicht besser, als das was das Leben uns zu bieten hat. Das hört sich so an, als ob das Reich Gottes erst in der Ewigkeit Wirklichkeit werden kann und die Entwicklungen im Gottesvolk scheinen das zu bestätigen.

Die einen fordern Fortschritt und das im Galopp, die anderen sind unbeweglich. Die Nächsten sehen nur Missbrauch, Geld und Gold, die anderen sehen das Engagement. Viele Positionen sind scheinbar so verhärtet, dass kein Kompromiss möglich ist.

Aber Liebe Schwestern und Brüder, genau das, finde ich ist es, wenn wir auf das Reich Gottes schauen. Das muss doch hier schon durch uns sichtbar werden. Nicht nur in dem unsere Hilfswerke Adveniat, Misereor, Missio, Renovabis, CARITAS und Co aktiv sind.

Das muss durch Dich und mich sichtbar werden, indem wir nie aufgeben miteinander zu reden und darum zu ringen, dass etwas gemeinsam verändert werden kann.

Der Synodale Prozess der Kirche in Deutschland wird oft kritisch angesehen. Die einen fürchten eine Spaltung der Deutschen Kirche von der Weltkirche, die anderen fürchten, dass sich nichts ändern wird. Und viele wünschen sich, dass alles so bleibt wie es ist, oder besser noch, wieder wird, wie es früher mal war.

Die Kirche als Teil Gottes ist aber aus lebendigen Steinen gebaut, und wo Leben ist, ist Bewegung. Wo Bewegung ist, kommt es zu Veränderungen, aber die brauchen Zeit.
Wenn wir das Reich Gottes erst im Jenseits erwarten wollen, dann haben wir unsere Chance auf Veränderung vertan.
Wir müssen gemeinsam füreinander eintreten, miteinander reden und schauen wo unsere Hilfe in Wort und Tat gebraucht werden.

Liebe Schwestern und Brüder,
unser König Jesus Christus hat uns das vorgelebt, wenn wir seinem Wort und Beispiel folgen, kann das Reich Gottes in uns und durch uns sichtbar werden.

Gebet

von Silja Walter

Zu glauben und zu bleiben sind wir da – draußen am Rande der Stadt.
Herr, jemand muss Dich aushalten, Dich ertragen, ohne davonzulaufen.
Deine Abwesenheit aushalten und trotzdem singen.
Dein Leiden, Deinen Tod mit aushalten und daraus leben.
Das muss immer jemand tun mit allen anderen. Und für sie.
Und jemand muss singen, Herr, wenn Du kommst, das ist unser Dienst:
Dich kommen sehen und singen. Weil Du Gott bist.
Weil Du die großen Werke tust, die keiner wirkt als Du.
Und weil Du herrlich bist und wunderbar wie keiner.

Ralf Wellbrock