Impuls zum Mittwoch der 12. Woche im Jahreskreis - 24.06.2020

Wir feiern das Geburtsfest von Johannes dem Täufer. In Lesung und Evangelium geht es um den Ruf Gottes an die Menschen. Vieles kommt in Bewegung, wenn Menschen sich Gott nicht verschließen und auf seinen Ruf hören. Johannes sollte den Boden für das Kommen Jesu zu den Menschen bereiten.
Der Auftrag an Johannes ist immer noch aktuell, er ist übergegangen an uns. Denn damit die Botschaft des Johannes’ von der Notwendigkeit einer Umkehr, aber auch die Botschaft Jesu vom menschenfreundlichen Gott auch heute zu hören sind, braucht es Menschen, die sich in ihren Dienst stellen.

Tagesgebet

Gott, du hast den heiligen Johannes den Täufer berufen, das Volk des Alten Bundes Christus, seinem Erlöser, entgegenzuführen. Schenke deiner Kirche die Freude im Heiligen Geist und führe alle, die an dich glauben, auf dem Weg des Heiles und des Friedens. Darum bitten wir durch Jesus Christus.

Evangelium                                                          Lk 1, 57-66.80

57 Und für Elisabeth kam die Zeit, dass sie gebären sollte; und sie gebar einen Sohn.

58 Und ihre Nachbarn und Verwandten hörten, dass der Herr große Barmherzigkeit an ihr getan hatte, und freuten sich mit ihr.

59 Und es begab sich am achten Tag, da kamen sie, das Kindlein zu beschneiden, und wollten es nach seinem Vater Zacharias nennen.

60 Aber seine Mutter antwortete und sprach: Nein, sondern er soll Johannes heißen.

61 Und sie sprachen zu ihr: Ist doch niemand in deiner Verwandtschaft, der so heißt.

62 Und sie winkten seinem Vater, wie er ihn nennen lassen wollte.

63 Und er forderte eine kleine Tafel und schrieb: Er heißt Johannes. Und sie wunderten sich alle.

64 Und sogleich wurde sein Mund aufgetan und seine Zunge gelöst, und er redete und lobte Gott.

65 Und es kam Furcht über alle Nachbarn; und diese ganze Geschichte wurde bekannt auf dem ganzen Gebirge Judäas.

66 Und alle, die es hörten, nahmen's zu Herzen und sprachen: Was, meinst du, will aus diesem Kindlein werden? Denn die Hand des Herrn war mit ihm.

80 Und das Kindlein wuchs und wurde stark im Geist. Und er war in der Wüste bis zu dem Tag, an dem er vor das Volk Israel treten sollte.

Gedanken

Die Ereignisse um die Geburt des Johannes des Vorläufers und seine Geburt selbst zeigen uns die Grundeinstellung Gottes zu den Menschen. Gehen wir für unsere Überlegungen vom Namen „Johannes“ aus.

Johannes – Jochanaan – heißt übersetzt „Gott ist gnädig“. Wenn die Bibel von einem gnädigen Gott spricht meint sie damit mehr als „nicht nachtragend“ oder „großzügig“. Sie umschreibt damit, wie Gott auf die Menschen zugeht.
Er möchte mit ihnen eine Beziehung, ein Miteinander, haben. Dieses Miteinander ist ihm so wichtig, dass er es seinerseits nie abbricht. Wenn es die Menschen tun, setzt er alles daran, sie wieder umzustimmen und es neu aufzubauen. Wenn die Beziehung zwischen Gott und den Menschen stimmt, dann hat dies weitreichende Auswirkungen. Das zeigt die Geschichte von Elisabet und Zacharias.

Als Ehepaar sind sie miteinander alt geworden, leben rechtschaffen und nach den Vorgaben ihrer Religion. Trotzdem haftet an ihnen der Geruch von Sündhaftigkeit, weil sie keine Kinder haben. Kinderlosigkeit war für die Menschen damals ein größeres Problem als für uns heute. Menschen, die davon betroffen waren, hatten viel unter Vorurteilen und Vorverurteilungen zu leiden. Ein Priester-Ehepaar das kinderlos blieb, musste dies wohl besonders spüren, wie das Wort des Engels an Zacharias durchscheinen lässt: „Dein Gebet wurde erhört, deine Frau Elisabet wird einen Sohn gebären.“ Es bedeutet, dass Gott die beiden nicht nur rehabilitiert sondern dass das, was Menschen als Mangel interpretieren, für Gott ein Anknüpfungspunkt ist, etwas Unerwartetes zu bewirken. Ausschlaggebend ist, dass Elisabet und Zacharias die Beziehung zu ihm immer gepflegt haben.

Nun werden die beiden nicht nur irgendwelche Eltern, sondern die Eltern des Johannes, der seinerseits ganz für seine Aufgabe gelebt hat, die Menschen zur Intensivierung ihrer Gottesbeziehung zu bewegen. Durch seine Predigt und seinen Lebensstil hat Johannes hier viel bewegt. Dabei hat er sich selbst bis zu seinem Tod die Frage gestellt, wie er denn seine Gottesbeziehung noch vertiefen könnte.

Johannes, der Vorläufer, gibt uns, den Nachfolgern Jesu, einige Anregungen zur Glaubensvertiefung: Geht es bei deinem Christsein wirklich um Jesus und das Gottesreich? Was tust du, damit dieses Gottesreich wachsen kann? Was hast du für Möglichkeiten, die Botschaft von Gott, der auf die Menschen schaut, weiterzusagen? Wie steht es um deine Bereitschaft, sich auf Gottes Anruf einzulassen? Was bist du bereit, dafür in Kauf zu nehmen?

Elisabet, Zacharias und Johannes sind drei Beispiele, die zeigen, wieviel Gutes in die Welt kommt, wenn Menschen für Gottes Wege offen sind. Sie mögen uns nicht immer leicht fallen. Sie mögen für uns nicht immer einsichtig sein. Doch wer etwas in Bewegung bringen möchte, braucht auch Risikobereitschaft. So wie Johannes und wie Jesus. Sie taten, was sie konnten. Was dann geschieht, ist Sache eines menschenfreundlichen Gottes.

(Hanns Sauter)

Fürbitten

Die Geburt des Vorläufers Johannes löste unter den Menschen Staunen, Freude und große Erwartungen aus. Wir bitten Jesus Christus, auf den er hingewiesen hat:

  • Für alle Menschen, die in die Kirche und in uns Christen hohe Erwartungen setzen:

Erhöre uns, Christus.

  • Für alle Ehepaare, die sich ein Kind wünschen und für alle Eltern, die ein Kind erwarten.
  • Für alle Kinder, in die große Hoffnungen gesetzt werden.
  • Für alle ältere Menschen, an die das Leben neue Herausforderungen stellt.
  • Für alle, die heute Namenstag feiern.

Herr Jesus Christus, so wie Johannes auf dich hingewiesen hat, wollen auch wir auf dich hinweisen – als unseren Herrn und Gott in Ewigkeit.

Vater unser

Wort auf den Weg

Er hat uns geschenkt, dass wir, aus Feindeshand befreit, ihm furchtlos dienen in Heiligkeit und Gerechtigkeit all unsere Tage. (Lk 1,74)