Impuls zum Mittwoch der 29. Woche im Jahreskreis


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Sie gehen einen Weg des Dialogs unter schwierigen Bedingungen und unter dem Druck der drohenden Gewalt. Sie setzen sich ein für Frieden und ein würdiges Leben für alle Menschen. Gemeinsam bewegen sie Projekte, die den Menschen vor Ort zugutekommen, unabhängig von ihrer Religion.

Diesen Weg dürfen wir ein Stück mitgehen zum Sonntag der Weltmission. Schauen Sie mit mir auf das Plakat. Wir sehen zwei religiöse Führer, den katholischen Erzbischof Ignatius Kaigama und den muslimischen Emir von Wase, Muhammadu Sambo Haruna. Sie halten die Hand über ein friedliches Zusammenleben von Christen und Muslimen in Nigeria. 2011 ist dafür ein Ort entstanden, das Zentrum für Dialog, Versöhnung und Frieden (Dialogue, Reconciliation and Peace Centre, DREP) in der Stadt Jos. Es lädt ein zur Begegnung, Männer und Frauen verschiedener Ethnien, Christen, Muslime und Vertreter traditioneller afrikanischer Religionen tauschen sich dort aus. Die Angebote in Friedenserziehung, Streitschlichtung und Versöhnung tragen der Erkenntnis Rechnung, dass es eine Erziehung zum Frieden braucht, die nah bei den Menschen ansetzt, in den Dörfern und Gemeinden, bei Kindern, Frauen und Männern.

Die regelmäßigen Treffen haben Vertrauen und Freundschaften geschaffen. Auch der Erzbischof und der Emir sind Freunde geworden. Mit der Autorität ihres Amtes stützen sie den aufrechten Gang ihrer jeweiligen Religionsgemeinschaft. Schauen wir noch mal auf das Plakat. Eine junge Muslima und eine christliche Frau lächeln uns an. Sie gehören dem Interreligiösen Frauenrat von Kaduna an (Women’s Interfaith Council). Er wurde 2010 von christlichen und muslimischen Frauen ins Leben gerufen, die nicht länger hinnehmen wollten, dass ihre Kinder und Familienmitglieder in gewaltsamen ethnisch-religiösen Konflikten sterben. Sie organisieren Foren, in denen sich christliche und muslimische Frauen regelmäßig treffen, sich austauschen und gemeinsame Aktivitäten unternehmen. Die Hürden sind hoch, denn viele Frauen haben Angehörige in gewaltsamen Auseinandersetzungen verloren oder sind selbst Opfer von Gewalt geworden. In der Begegnung lernen sie, Angst und Vorurteile zu überwinden und die Frauen der anderen Religion als Schwestern zu erkennen, die ähnliche Probleme und Anliegen haben.

Schwester Veronica Onyeanisi, eine der Koordinatorinnen, drückt das so aus: „Frauen machen einen großen Teil der nigerianischen Bevölkerung aus, aber sie werden an den Rand gedrängt. Als Frauen müssen wir zusammenhalten, um unsere soziale und wirtschaftliche Situation zu verbessern und um politisch gehört zu werden. Die christliche und die muslimische Religion wollen Geschwisterlichkeit und Frieden. Wir lassen uns nicht im Namen der Religion auseinanderdividieren.“ „Wir können unmöglich schweigen über das, was wir gesehen und gehört haben“ (Apg 4,20). Dieses Wort aus der Apostelgeschichte hat Papst Franziskus über den diesjährigen Sonntag der Weltmission gestellt. Wir können unmöglich schweigen über die Geschwisterlichkeit und die Leidenschaft, mit der die missio-Projektpartner und -partnerinnen in Westafrika über Religionsgrenzen hinweg an einem gerechten Frieden für alle bauen. Deswegen stehen sie heute im Mittelpunkt. Sie verdienen unsere Aufmerksamkeit, Bewunderung und Unterstützung. Und sie laden uns ein, ihrem Beispiel zu folgen.

Schauen Sie ein letztes Mal auf das Plakat. Stellen Sie sich vor, es gäbe eine weitere Hand, darin Ihr Bild. Wer würde an Ihrer Seite erscheinen? Wem würden Sie die Hand reichen zum Dialog? Was wissen wir vom Leben unserer muslimischen Nachbarn und Arbeitskollegen? Stehen die Türen unserer christlichen Gemeinden offen für Menschen anderen Glaubens?

aus:  Aktionsheft und Liturgische Hilfen zum Weltmissionssonntag 2021 (missio-hilft.de)