Impuls zum Mittwoch der 4. Fastenwoche - 25.03.2020

Einführung

Dreimal am Tag schlägt vielerorts die Glocke zum Angelus, dem Engel des Herrn. Gläubige, die dieses Schlagen nicht achtlos überhören, beten: „Der Engel des Herrn brachte Maria die Botschaft und sie empfing vom Heiligen Geist.“ Damit ist der heutige Festtag angesprochen, die „Verkündigung des Herrn“. Neun Monate vor Weihnachten feiern wir, dass Gottes Sohn Mensch wird.

Das Ja der Jungfrau Maria öffnet ihm das Tor in unsere Welt, die der Erlösung durch Gottes Eingreifen bedarf. Hören auch wir auf die Botschaft des Engels, die uns mit Freude erfüllen kann und durch uns die Welt.

Tagesgebet

Gott, du bist groß und unbegreiflich. Nach deinem Willen ist dein ewiges Wort im Schoß der Jungfrau Maria Mensch geworden. Gläubig bekennen wir, dass unser Erlöser wahrer Gott und wahrer Mensch ist. Mache uns würdig, Anteil zu erhalten an seinem göttlichen Leben. Darum bitten wir durch ihn, Jesus Christus.

Liebe Schwestern und Brüder!

Mitten in der Fastenzeit feiern wir ein Hochfest, das Fest der Verkündigung des Herrn, neun Monate vor Weihnachten.
Der Engel Gabriel überbringt Maria die frohe Botschaft. Gottes Bote begegnet dem Mädchen von Nazareth. Er grüßt sie als Begnadete, das heißt von Gott Beschenkte.   So macht es Gott auch bei uns. Weil Gott uns liebt, darum kommt er auf uns zu, zeigt uns Menschen sein Wohlwollen und spricht uns an.   Es muss nicht immer ein Engel sein, der uns anspricht. Gott hat auch andere Signale, Zeichen, Anstöße und Impulse. Gott spricht auch durch die Not der Zeit, durch den leisen Gedanken, durch den freundlichen oder bittenden Blick eines Menschen. Gott hat viele Möglichkeiten, durch die er uns einen Boten, einen Gruß, einen Zuspruch oder einen Anruf schicken kann.   Auch in unserer Zeit und in unserem Leben kommt es darauf an – wie Maria – hellhörig und aufmerksam zu sein für Gottes Botschaft. Es gilt, mit wachen Augen und einem offenen Herzen hinzuhören und hinzuschauen, um zu erhorchen und wahrzunehmen, was Gott uns sagen will. Dazu benötigen wir immer wieder Innehalten, Ruhe, Stille und Schweigen.   „Gegrüßet seist du, Maria, voll der Gnade.“ So schön der Gruß an Maria im Evangelium auch klingt, das Mädchen von Nazareth erschrickt darüber. Dieses Erschrecken gehört nach dem Zeugnis der Bibel immer dazu, wenn Menschen von Gott eine Nachricht erhalten und gerufen werden. Das war bei Mose so, bei den Propheten, bei den Hirten von Bethlehem und vielen anderen.   Da stellt sich die Frage: Wie kann Gott gerade mich rufen? Wie kann ich, Gottes Ruf entsprechen? Wie kann ich ihm gerecht werden?   Maria erschrak und überlegte, was der Gruß des Engels zu bedeuten habe. Auch wir blicken nicht immer durch. Auch wir verstehen vieles in unserem Leben nicht. Auch wir tappen oft im Dunkeln. Könnte es nicht sein, dass Gott uns mit dem, was uns betroffen macht, oder mit dem, was uns in Frage stellt, ansprechen will?   Maria ist offen. Maria ist ansprechbar. Sie hört und gibt Antwort. Sie fragt aber auch: „Wie soll das geschehen?“   Darin erweist sich die Kraft des Glaubens, dass wir bei allem Erschrecken, bei aller Betroffenheit und bei allen offenen Fragen, den Dialog mit Gott nicht abbrechen, sondern auch mit unseren Fragen zu ihm kommen und ihm vertrauen.   Gott lässt Maria mit ihren Fragen nicht allein. Fürchte dich nicht, Maria! Du hast Gnade gefunden bei Gott. Gott schaut freundlich auf dich: „Der Herr ist mit dir!“   Es ist derselbe Gruß, der uns in jeder Messfeier zugesprochen wird: „Der Herr sei mit euch!“ Der Herr ist mitten in unserem Leben. Er ist auch bei uns mit unseren Fragen, Schwierigkeiten und Ängsten. Fürchte dich nicht. Ich bin mit dir. Ich helfe dir. Du bist nicht allein.   Es ist die gleiche Zusage, die den Hirten an Weihnachten gemacht wird: „Fürchtet euch nicht!“ Es ist die Zusage, die auch Josef durch den Engel im Traum erhält: „Fürchte dich nicht!“   Diese Zusage dürfen auch wir auf uns hin hören: „Fürchte dich nicht! Ich bin mit dir!“ Gott spricht auch uns Mut zu. Die Gewissheit seiner Gegenwart gibt uns Kraft und Zuversicht.   Wir sind eingeladen – wie Maria – zu einer freien und mutigen Antwort. Maria antwortet – nach allem Erschrecken, Überlegen und Fragen – mit „Ja“, sie willigt ein, sie ist bereit, sie ist ganz Empfänglichkeit und Verfügbarkeit. „Ich bin die Magd des Herrn. Mir geschehe nach deinem Wort.“ Maria will dem Herrn dienen. Gottes Wille soll an ihr geschehen. Das ist nicht immer leicht, den Willen Gottes anzunehmen: Es ist nicht immer das angenehmste, seinem Willen Vorfahrt zu geben. Aber es ist für mich und für uns das Beste.   Jesus Christus will neu geboren werden in unserem Leben. Er will gegenwärtig werden in unserem Alltag. Versuchen wir offen zu werden, bereit, ja zu sagen zu dem, was Gott von uns will, wie es Maria getan hat.

Fürbitten

Gott gibt uns in der Menschwerdung seines Sohnes ein Zeichen seiner Treue. Wir vertrauen, dass er auch hier bei uns ist, und bitten ihn:

Für unseren Papst Franziskus und unseren Bischof Franz Josef.: Stärke sie für ihren Dienst in der Kirche mit der gleichen Kraft des Heiligen Geistes, mit der du Maria überschattet hast.

Du Gott mit uns:

Wir bitten dich, erhöre uns.

Für alle Frauen und Männer, die in Politik und Gesellschaft große Macht über Menschen haben: Gib ihnen Gedanken des Friedens und lass sie ihre Verantwortung für ihr Handeln vor dir und deinem Sohn nicht vergessen.

Für alle, deren Herz verschlossen ist für deinen Anruf: Gib ihnen Zeichen der Ermutigung, sich für dein Wort zu öffnen.

Für alle, die nicht glauben können, dass du mit ihnen bist: Stelle ihnen glaubhafte Zeugen deiner Nähe als Wegbegleiter zur Seite.

Für alle, die heute Ja sagen zu den Kindern, die du ihnen schenken willst: Erfülle sie mit Freude über das Geschenk der Mutter- und Vaterschaft und gib ihnen Kraft für die anstrengenden Wegabschnitte mit ihren Kindern.

Für alle Corona Infizierten, dass sie wieder gesund werden und für alle, die für sie sorgen und da sind und dass die Zahlen der Infizierten und Erkrankten bald zurückgehen.

Für alle, die uns den Glauben an Jesus vermittelt und vorgelebt und im Tod bereits die Vollendung des irdischen Lebens gefunden haben: Lass sie die Fülle des Lebens mit dir empfangen.

Gott, dein Wort wird in Maria Mensch und bringt Freude und Heil in diese Welt. Mit ihm, deinem Sohn Jesus Christus preisen wir dich jetzt und in Ewigkeit.