Impuls zum Mittwoch der 8. Woche im Jahreskreis - 26.6.2021


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Wo habe ich das Wirken des Heiligen Geistes erfahren:

  • Düstere Stimmung hellt sich auf.
  • Ruhe und Gelassenheit trotz äußeren Drucks
  • Erfahrung von Heilung und Heil-Werden
  • Festgefahrene Situationen lösen sich auf
  • Trost angesichts Verlust
  • Innere Kraft und Zuversicht angesichts einer Herausforderung.

Gebet

Allmächtiger, ewiger Gott,                                                                       
durch das Geheimnis des heutigen Tages heiligst du deine Kirche in allen Völkern und Nationen.
Erfülle die ganze Welt mit den Gaben des Heiligen Geistes, und was deine Liebe am Anfang der Kirche gewirkt hat, das wirke sie auch heute in den Herzen aller, die an dich glauben.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.

Lesung aus der Apostelgeschichte.               (Apg 2,1-11)

Als der Tag des Pfingstfestes gekommen war, waren alle zusammen am selben Ort. Da kam plötzlich vom Himmel her ein Brausen, wie wenn ein heftiger Sturm daherfährt, und erfüllte das ganze Haus, in dem sie saßen. Und es erschienen ihnen Zungen wie von Feuer, die sich verteilten; auf jeden von ihnen ließ sich eine nieder. Und alle wurden vom Heiligen Geist erfüllt und begannen, in anderen Sprachen zu reden, wie es der Geist ihnen eingab. In Jerusalem aber wohnten Juden, fromme Männer aus allen Völkern unter dem Himmel. Als sich das Getöse erhob, strömte die Menge zusammen und war ganz bestürzt; denn jeder hörte sie in seiner Sprache reden. Sie waren fassungslos vor Staunen und sagten: Seht! Sind das nicht alles Galiläer, die hier reden? Wieso kann sie jeder von uns in seiner Muttersprache hören: Parther, Meder und Elamíter, Bewohner von Mesopotámien, Judäa und Kappadókien, von Pontus und der Provinz Asien, von Phrýgien und Pamphýlien, von Ägypten und dem Gebiet Líbyens nach Kyréne hin, auch die Römer, die sich hier aufhalten, Juden und Proselýten, Kreter und Áraber –wir hören sie in unseren Sprachen Gottes große Taten verkünden.

Evangelium nach Johannes                          (Joh 20,19-23)

Am Abend des ersten Tages der Woche, als die Jünger aus Furcht vor den Juden bei verschlossenen Türen beisammen waren, kam Jesus, trat in ihre Mitte und sagte zu ihnen: Friede sei mit euch! Nach diesen Worten zeigte er ihnen seine Hände und seine Seite. Da freuten sich die Jünger, als sie den Herrn sahen. Jesus sagte noch einmal zu ihnen: Friede sei mit euch! Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch. Nachdem er das gesagt hatte, hauchte er sie an und sagte zu ihnen: Empfangt den Heiligen Geist! Denen ihr die Sünden erlasst, denen sind sie erlassen; denen ihr sie behaltet, sind sie behalten.

Impuls

In der Mitte der heutigen Lesung aus der Apostelgeschichte steht das sogenannte Pfingstwunder: Die Apostel sprechen öffentlich und freimütig von Gottes großen Taten, und die Zuhörer aus aller Herren Länder hören sie jeweils in ihrer eigenen Muttersprache sprechen. Das Wunder, das auf das Wirken des Heiligen Geistes zurückgeht, besteht aber nicht in dieser einen beeindruckenden Szene. Es ist die ganze Entwicklung, die dahin geführt hat, die gewaltige Dynamik, die sich ereignet hat, die Verwandlung, die der Geist Gottes bei den Jüngern Jesu gewirkt hat. Nicht lange davor – da sitzen sie noch hinter verschlossenen Türen. Das Evangelium heute erzählt davon. Eingeschlossen sind sie in ihrer Enttäuschung, ja Verzweiflung, geplagt von ihren Schuldgefühlen und ihrer Scham. Jesus, auf den sie all ihre Hoffnung gesetzt haben, war am Kreuz gestorben, und sie hatten ihn im Stich lassen. Da sitzen sie nun, und schotten sich ab, ergeben sich ihrem Selbstmitleid. Der Heilige Geist befreit sie, holt sie da raus. Welche Verwandlung ereignet sich da, als sie nach außen treten, aus dem Dunkel ihres selbstgewählten Gefängnisses in das Licht. Eben noch verzweifelt, treten sie nun ganz mutig auf. Aber das ist nicht alles. Bedeutsamer ist vielleicht noch eine ganz andere Dynamik: sie sind nicht mehr fixiert auf ihre eigene Situation, sondern sind in der Lage, genau wahrzunehmen, wie es den Menschen geht, an die sie sich nun wenden. Das ist die eigentliche Veränderung: sie wechseln die Perspektive. Sie starren nicht mehr nur auf sich selbst, sind nicht mehr gefangen in ihren eigenen Problemen, sondern nehmen aufmerksam die anderen wahr, und können deswegen zielgenau in deren Lebenssituation hineinsprechen. Die Menschen können sie in ihrer jeweiligen Muttersprache hören

– das heißt doch, sie fühlen sich in ihrem Verstehenshorizont, in ihrer aktuellen Situation, in ihrer ganz konkreten Befindlichkeit angesprochen. Sie fühlen sich verstanden. Weil die Jünger eben genau hingeschaut haben, wie es den Menschen geht, weil sie sich haben von der Frage leiten lassen, was ihre Zuhörer brauchen. Was hat sie so verwandelt? Es ist der Heilige Geist, der sie ergriffen hat, der Geist Jesu. Es ist der Geist, der Jesus erfüllt hat, und den er ihnen vermittelt hat. Es ist diese Begegnung mit ihm, von der das heutige Evangelium erzählt, die Begegnung, in der sie mit seinem Geist in Berührung kommen. Vom Geist erfüllt, nimmt Jesus genau wahr, wie es ihnen geht. Er sieht ihre Angst, ihre Enttäuschung über sich selbst, ihre Trauer. Und genau in diese Situation spricht er hinein: Der Friede sei mit euch! Zweimal sagt er das. Alles Mögliche hätte er sagen können, hätte sie zur Rechenschaft ziehen können, hätte von seiner Einsamkeit sprechen können, als sie alle weggelaufen waren. Aber er bleibt nicht bei sich. Er spricht das aus, was sie jetzt am meisten und am tiefsten brauchen. Der Friede sei mit euch. Es ist alles gut. Es ist dieser Geist, der Jesus schon sein ganzes Leben hin zu den Menschen gedrängt hat, der ihn auch jetzt bestimmt. Und diesen Geist haucht er ihnen ein: den Geist, der die Perspektive weitet, der über den Tellerrand des eigenen Daseins hinausblicken lässt, der aus der Enge der Selbstbezogenheit herausholt, und der auf die anderen hin öffnet. Es ist dieser Geist, den uns Jesus auch heute wieder einstiften möchte, uns, seiner Kirche, seiner Gemeinde, seinen Jüngerinnen und Jüngern heute. Der Geist, der uns vom ich zum Du führt, der uns diese weite Perspektive schenkt. Wir brauchen ihn, gerade jetzt. Wochenlang waren wir deutlichen Einschränkungen unterworfen, waren unsere Lebenskreise eng gezogen. Jetzt erleben wir eine Phase der Lockerung, der Öffnung. Wir genießen sie. Aber es gibt auch eine Gefahr, eine Versuchung, jetzt nur die eigenen Bedürfnisse zu sehen. „Jetzt will ich wieder auf meine Kosten kommen.“ Das ist in gewisser Weise verständlich, nachdem wir so vieles so lange entbehren mussten. Aber wird uns das weiterbringen? Viele haben gut aufeinander geachtet in der Zeit des Lockdowns, haben Rücksicht genommen auf die, die besonders gefährdet sind. Das dürfen wir nicht verlieren, das sollten wir uns erhalten: den Blick für den anderen, die andere. Die Frage, was die Menschen um mich herum brauchen. Und wir alle brauchen weiterhin Schutz und Vorsicht. Die Gefahr ist nicht vorbei. Der Geist wird uns beistehen. Beten wir um ihn. Öffnen wir uns ihm. Amen.

Bekenntnis

Ich glaube an dich, Heiliger Geist.
Ich glaube, dass du meine Vorurteile abbauen kannst.
Ich glaube, dass du meine Gewohnheiten ändern kannst.
Ich glaube, dass du meine Gleichgültigkeit überwinden kannst.
Ich glaube, dass du mir Phantasie zur Liebe geben kannst. 
Ich glaube, dass du mir Warnung vor dem Bösen geben kannst. 
Ich glaube, dass du mir Mut für das Gute geben kannst.
Ich glaube, dass du meine Traurigkeit besiegen kannst. 
 Ich glaube, dass du mir Liebe zu Gottes Wort geben kannst.
Ich glaube, dass du mir meine Minderwertigkeitsgefühle nehmen kannst.      Ich glaube, dass du mir Kraft in meinem Leben geben kannst.                                      
Ich glaube, dass du mir einen Bruder oder eine Schwester an die Seite geben kannst. 
Ich glaube, dass du mein Wesen durchdringen kannst.

Fürbitten

Gepriesen sei Jesus Christus, der uns den Heiligen Geist vom Vater gesandt hat. Zu ihm lasst uns beten:

  • Du sendest den Geist, den Beistand: Er sei bei den an Covid19 Erkrankten und bei denen, die sich für die Kranken und gegen weitere Infektionen einsetzen.

V: Sende aus deinen Geist A: und das Antlitz der Erde wird neu.

  • Er stehe allen bei, die durch die Beschränkungen wirtschaftlich schwer getroffen sind und existenzielle Zukunftssorgen haben.

V: Sende aus deinen Geist A: und das Antlitz der Erde wird neu.

  • Du hast dich vom Geist Gottes leiten lassen: Er leite die Regierenden und die Vertreter der Staatsgewalt, und auch die Verantwortlichen in den Kirchen bei ihren Entscheidungen.

- V: Sende aus deinen Geist A: und das Antlitz der Erde wird neu.

  • Durch den Geist wirkst du in allen: Er ermuntere und beflügele auch uns, belebe die Erstarrten, ermutige die Mutlosen, stärke die Schwachen und inspiriere die Müden.

V: Sende aus deinen Geist A: und das Antlitz der Erde wird neu.

  • Dein Geist wirke in allen Getauften, die ihre Geistesgaben gebrauchen zum Nutzen aller; er vollende an unseren Verstorbenen, was in der Taufe grundgelegt war.

V: Sende aus deinen Geist A: und das Antlitz der Erde wird neu.

Vater unser

Segensbitte

Es segne mich/uns der gute Gott, der Vater und der Sohn und der Heilige Geist. Amen.

Liedtext:

GL Nr. 346, 1-3 (Atme in uns, Heiliger Geist)

Günter Wessendorf