Impuls zum Ostersonntag - 04.04.2021


Bild von Jeff Jacobs auf

Manche Leute beginnen zu weinen und sagen: „Er ist also wirklich gekreuzigt worden. Es ist wahr: Gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben und begraben.“
Der Archäloge erklärt Einzelheiten und spricht dann in die erschütterte Menge hinein.

„Gekreuzigt, gestorben und begraben – ja! Auferstanden? – Nein. Hier liegt der tote Jesus von Nazareth!“

Die Medien verbreiten die Nachricht in Windeseile in alle Welt. Jesus von Nazareth ist nicht auferstanden. Das Grab ist nicht leer. Der Glaube der Christen beruht auf einer furchtbaren Täuschung.

Nun kommt im Film eine erschreckende Szene:

Die Welt verändert sich. Sie beginnt in eine namenlose Finsternis zu verfallen. Alles, was an Jesus und seine Botschaft erinnert, alles, was von ihr lebt oder die Spuren des christlichen Glaubens  trägt, verschwindet und wird vernichtet. Aus Kathedralen werden Garagen. Viele Kirchen werden niedergerissen. Die Nonnen und Patres verlassen ihre Klöster. Die Missionare kehren in die Heimat zurück. Die Ordensschwestern legen ihren Schleier ab. Die Pfarrer quittieren ihren Dienst. Religiöse Einrichtungen, Kindergärten, Schulen, Krankenhäuser, Waisenheime, Hospize werden geschlossen. In den Krankenhäusern  werden die Menschen selektiert nach lebenswert und lebensunwert.

Eine unermessliche Erschütterung befällt die Welt, eine ungeheure Kälte und Traurigkeit breitet sich aus. „Welt in Finsternis!“

Liebe Schwestern und Brüder!

Der Film schließt nicht in Finsternis. Am Schluss  wird der Archäologe auf dem Sterbebett gezeigt. An der Schwelle des Todes bekennt er seinen wissenschaftlichen Betrug: „Ich habe die Welt getäuscht“, sagt er. „Ich habe eine Leiche als Leiche des Gekreuzigten präpariert und ins leere Grab gelegt. Das Grab war leer.“

Der Film mag gut oder schlecht sein. Eines zeigt er ganz drastisch: An der Auferstehung hängt alles. Hier entscheidet sich Sinn oder Unsinn des christlichen Glaubens. Ohne das Osterereignis gäbe es kein Christentum. Unser Glaube hätte kein Fundament.

Egal, was man von dem Film hält, er macht deutlich: Der auferstandene Christus ist der Dreh- und Angelpunkt unseres Glaubens. Der Osterglaube ist die Mitte, das Herzstück der christlichen Religion. Darum ist Ostern das höchste Fest der Christenheit.

Seit Ostern wissen wir, dass unser Leben ein Ziel hat. Und dieses Ziel ist Gott. Seit Ostern wissen wir, dass unser Leben Erfüllung findet – in seinem Licht, in seiner Freude, in seinem Frieden.

Liebe Schwestern und Brüder!

„Welt in Finsternis“, so lautet der Titel des besagten Filmes.

Ja: wenn Christus nicht auferstanden wäre, wäre Golgotha die dunkelste Stunde der Menschheit. Der Tod  hätte gesiegt. – Dann wäre unser Beten und Gottesdienstfeiern wirklich nutzlos, die Märtyrer die größten Dummköpfe, Einsiedler und Mönche bedauernswerte Schwärmer. Und wir alle hätten unseren Glauben und unser Bemühen um ein christliches Leben auf eine hoffnungslose Illusion aufgebaut.

„Tod, wo ist dein Sieg? Tod, wo ist dein Stachel?“, fragt Paulus und gibt zur Antwort: „Verschlungen ist der Tod im Sieg. Gott sei Dank, der uns den Sieg geschenkt hat durch Jesus Christus, unseren Herrn“

Nicht nur der Film hat ein Happyend. Auch unser Leben geht gut aus. Unsere Hoffnung bekommt Recht. Das letzte Wort haben nicht die Gräber. Das letzte Wort hat das Leben. Das letzte Wort hat die Liebe, die Liebe Gottes, die uns nicht aufgibt und uns nicht fallen lässt. Das ist die Mitte unseres Glaubens.

„Kommt aus den Kellern der Angst.
Öffnet verriegelte Türen.

Das Grab aller Gräber wurde gesprengt.
Der Stein der Verzweiflung ist weggerollt.

Wagt schon heute das Leben von morgen.
Die neue Welt hat ihren ersten Tag.“

Das ist der Ostertag, ein neuer Schöpfungsmorgen.
Und den feiern wir heute.
Ein frohes gesegnetes Osterfest trotz aller Einschränkungen, Enttäuschungen und Sorgen.

Günter Wessendorf