Impuls zum Palmsonntag - 28.03.2021


Bild von Gini George auf

Gedanken:

Liebe Schwestern und Brüder,

wir feiern heute den Einzug Jesu in Jerusalem und wir reden davon, dass Jesus wie ein König einzieht.
Wie kommen wir darauf? Schließlich reitet dieser Jesus auf einem geliehenen Esel, es reicht nicht einmal für ein Pferd.
Er kommt ohne eine Schar von Soldaten, wie wir es vom Geburtstag der Queen kennen.
Da sind zwar seine Jünger und die größere Schar der Begleiter, aber die fallen in diesen Tagen in Jerusalem kaum auf. Die Stadt bereitet sich auf das Pessach Fest vor, und da sind immer viele Gruppen unterwegs.
Trotzdem ist mit dieser Gruppe um Jesus etwas anders. Jesus war schon vorher bekannt und viele wussten, zumindest durch Hörensagen, von ihm.
Und als die ersten Rufe erklangen: Gesegnet sei er, der kommt im Namen des Herrn!
Gesegnet sei das Reich unseres Vaters David!
Da war für viele klar, dieser Jesus ist nicht irgendeiner – er ist der Sohn Gottes, das hat er selbst immer wieder gesagt, wenn er von sich als Menschensohn sprach und von seinem Vater im Himmel.
Er ist derjenige von dem erhofft wird, dass er das Volk Israel wieder in die Selbständigkeit führt, raus aus den Klauen der römischen Besatzer.
Und der Jubel griff um sich, es fühlte sich für alle an, als ob das Ersehnte jetzt Wirklichkeit wird.
Aber sie haben auch gesehen, er kommt ohne Waffen, ohne Soldaten und nicht mit einem Aufruf zur Revolution, zur Gewalt.

So einen König, haben sie sich nicht gewünscht und das verstärkt sich in den nächsten Tagen.

So stellt sich auch die Frage, was hätte Jesus tun sollen und müssen um sich zu retten und um ein „richtiger“ König zu sein?
Ich denke, dass es Jesus nie darum ging sich zu retten. Er hat auch keinen Thron angestrebt von dem aus er Gesetze erlassen muss und Soldaten losschickt um Grenzen zu sichern oder Strafaktionen zu erlassen.
Jesus ist ganz Gottmensch und weiß, dass sein Thron im Himmel ist und die himmlischen Engelsscharen anders sind, als jede Armee.
Dieser Gottmensch wusste, dass er diesen Weg gehen muss um uns so von seiner übermenschlichen Liebe zu uns zu überzeugen.
Er wusste, dass er nur durch seine Selbsthingabe und sein Selbstopfer dafür sorgen kann, dass wir langsam immer mehr verstehen, was Gott von uns will.
Sein ganzes irdisches Leben, sein Leiden, sein Sterben und seine Auferstehung sind deshalb geschehen, weil er uns Einsicht und Verständnis in die Wege Gottes erleichtern will.
Gott will, dass wir leben und lieben – nicht nur uns oder unser Leben, sondern dass wir leben und ihn unseren Gott, unseren Nächsten bis hin zu unseren Feinden lieben und sogar uns selbst.

Jesus unser König, will heute nicht nur in Jerusalem einziehen, er will auch über die Schwelle unseres Herzens treten und in uns einziehen.
Lasst uns ihm zujubeln und auch dann treu bleiben, wenn er scheinbar unseren Erwartungen nicht entspricht und unsere Gebete nicht erfüllt.

Gebet:

Guter Gott, dein Sohn Jesus zieht heute in Jerusalem ein und wird als König gepriesen.
Wir bitten dich, ziehe Du, dreieiniger Gott in unser Herz und unsere Seele ein. Nimm Wohnung in uns und verwandle uns.
Führe uns aus aller Unsicherheit in die Ruhe der Gemeinschaft mit dir und die Freiheit deines Volkes.
Hilf uns all unsere Fragen mit deinen Augen zu schauen und unsere Entscheidungen in deinem Geist zu treffen. Darum bitten wir durch Jesus Christus, unseren Herrn.
Amen.

Ralf Wellbrock